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Köln: Anastacia fühlt sich immer noch als Kämpferin

Köln : Anastacia fühlt sich immer noch als Kämpferin

Mit ihren ersten beiden Alben „Not That Kind” und „Freak Of Nature” hat sie mehrfach Platin geholt, nun legt sie die dritte Scheibe nach.

Sie heißt, ganz schlicht, „Anastacia”, genau so wie die Künstlerin. Um das Timing perfekt zu machen, geht die 30-Jährige im Herbst mit dem neuen Album europaweit auf Tour.

In Köln sprach die kleine Frau mit der großen Stimme über ihre neue CD, ihr neues Leben nach dem Brustkrebs und eine seltsame, neue Wortschöpfung namens „Sprock”, die nichts mit spitzohrigen Außerirdischen zu tun hat, auch wenn sie sehr danach klingt.

Der Andrang ist immens. Vor dem Hotel „Hyatt” knubbeln sich die Fans, drinnen die Journalisten, dazwischen wuseln hektisch Bodyguards, Marketing-Menschen und Köche umher, erste in Schwarz, letztere in Weiß.

Zur Begrüßung gibt es auf der Leinwand eine Live-Einspielung, dann, mit minimaler Verspätung, erscheint Anastacia selbst. Ein kleines Persönchen mit Brille und glattem Blondhaar.

Über dem T-Shirt trägt sie eine Lederjacke, die Jeans stecken in nougatfarbenen Lederstiefeln, eng wie ein Handschuh, mit mördermäßig hohen, bleistiftdünnen Absätzen. Sie läuft darauf, als wären es Turnschuhe. Blitzlichtgewitter. Hinsetzen, Haare schütteln, Durchatmen.

„Ich bin so begeistert, ich bin so aufgeregt, jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um auf Tour zu gehen”, sprudelt es aus Anastacia Newkirk, geboren am 15. September 1973, hervor. Dann lächelt sie. Und schon ist man ihr verfallen.

hre Präsenz ist ungeheuer, ihre Ausstrahlung überwältigend, das Charisma schwappt in Wellen über die hinweg, die rund eine Stunde Zeit haben, ihre Fragen zu stellen. Fragen wie die, was die Fans auf ihrer „live at last...”-Tour - der ersten Europa-Tour überhaupt, die sie durch 24 Städte, darunter zehn in Deutschland, Österreich und der Schweiz führen wird - erwarten dürfen. „Ich will eine gute Show machen und meine Energie mit denen vereinigen, die mit mir auf der Bühne stehen und auch mit denen davor.”

Oder Fragen danach, was die Aufschrift „Sprock” auf ihrem T-Shirt bedeutet: „Bei meinen ersten beiden Alben hab ich noch Sachen ausprobiert, hab überprüft, wo mein künstlerisches Selbst liegt. Jetzt, beim dritten, fühle ich mich zu Hause. Aber das Kind musste trotzdem einen Namen haben. Sprock, das steht für Soul-Pop-Rock.”

Und das trifft es ganz gut, wenn man sich die neue CD anhört, auf der zwölf Stücke eine solche Bandbreite zeigen, dass man Brücken daraus bauen könnte. Da singt eine reifer gewordene Frau, die mal schwerelos, mal schmerzlich klingt, aber unerschrocken, trotz allem, was sie erlebt hat.

Freimütig erzählt sie von ihrer Brustkrebserkrankung: „Ich lebe jeden Tag, und ich bin dankbar dafür. Ich bedaure nichts, ich bin trotz allem die Gleiche geblieben, ich bleibe eine Kämpferin.”

Neuerdings auch für junge Mädchen, die in ihrer Familie bisher keine Krebsfälle zu verzeichnen hatten: „Sie sollen keine Angst haben oder sich schämen, darüber zu sprechen. Je früher man die Krankheit erkennt, desto größer ist die Chance, wieder gesund zu werden. Ich bin der lebende Beweis.”

Der von ihr gegründete „Anastacia-Fund” will dazu beitragen, dass auch junge Frauen frühzeitig zur Krebs-Vorsorge gehen.

Anastacia strahlt Optimismus, Energie und Lebensfreude aus. Gut gelaunt flirtet sie mit den Journalisten und gibt preis: „Bei mir hat kein Mann eine Chance, der meinen Yorkshireterrier nicht akzeptiert. Klarer Fall: Der Hund kommt zuerst.”