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Recklinghausen: An der Ruhr geht eine Ära zu Ende

Recklinghausen : An der Ruhr geht eine Ära zu Ende

Wenn Mitte Juni der Vorhang nach den letzten Aufführungen der diesjährigen Ruhrfestspiel-Saison in Recklinghausen fällt, geht für das traditionsreiche Theaterfest eine Epoche zu Ende.

Hansgünther Heyme, seit 13 Jahren Ruhrfestspiel-Intendant, hört auf. Ein wenig Bitterkeit ist dem 1935 geborenen Theatermann, der sich mit vielen Antiken-Inszenierungen, mit Schiller und Shakespeare weit über den deutschsprachige Bühnenszene hinaus einen guten Namen gemacht hat, schon anzumerken.

„Alles, was nach mir kommt, wird anders sein - oder gar nicht sein”, gab er Journalisten bei der Programm-Präsentation seiner letzten Spielzeit zu Protokoll.

Arbeiten werde er künftig vor allem in Madrid und - auch der Antiken wegen - in Athen, da ihm in Deutschland „ein verkrustetes Großfeuilleton” das Leben schwer mache.

Organisatorisch ist das vom DGB, der Stadt Recklinghausen und dem Land NRW getragene Festival mit seinem eher bescheidenen Etat von gut vier Millionen Euro mittlerweile bei der von Heyme ungeliebten neuen RuhrTriennale untergeschlüpft, die nach seiner Einschätzung noch keine wichtigen Bühnen-Impulse in die Region gesandt hat.

Die künstlerische Leitung in Recklinghausen wird beim - anreisenden - Berliner Volksbühnen-Intendanten Frank Castorf liegen; bei der Nachfolge-Auswahl ist Heyme dem Vernehmen nach noch nicht einmal um Rat gefragt worden.

Ohne Pathos kann der Piscator-Schüler und damit einer politischen Bühne verpflichtete Heyme als „Retter der Ruhrfestspiele” gesehen werden: Das in bitterer Nachkriegszeit begründete und im Laufe der Zeit arg angestaubte „Malocher”-Kulturfest dümpelte zu Beginn der 90er Jahre mit einer Zuschauerzahl von rund 12.000 eher im Belanglosen dahin.

Mit seinem Konzept des „Europäischen Festivals”, das auf Belebung durch spannende internationale Kooperation setzte, zieht Heyme heute pro Sechs-Wochen-Saison rund 50.000 Gäste an, die sich auch durchaus an „Leichtem” wie Musical oder Pferdezirkus erfreuen.

Heyme, der 1994 aus seinem Bremer Intendanten-Vertrag ausgestiegen war, sorgte selbst für „schwere Kost”: Von Euripides bis Ibsen, von Schiller bis Strindberg reichte sein Stoff.