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Aachen: Amüsante Produktion des Theaters: „Die schöne Magelone”

Aachen : Amüsante Produktion des Theaters: „Die schöne Magelone”

Ludwig Tiecks Bearbeitung des Volksmärchens „Die schöne Magelone” ist ein sonderbar Ding: Sie vereinigt nahezu alle Elemente trivialer Ritterromantik, die wir heute mit überlegener Arroganz belächeln.

Andererseits spielt Tieck hochvirtuos mit den Versatzstücken des seinerzeit populären Genres und veredelt das Märchen durch eine Musikalität, von der sich sogar eher bodenstämmige und alles andere als sentimentale Mannsbilder wie der fast 30-jährige Johannes Brahms in den Bann ziehen ließen. Der vertonte 15 Romanzen aus der Erzählung, die zum anspruchsvollsten Liedgut schlechthin zählen.

Dieses bizarre Dokument einer romantischen Traumwelt steht im Mittelpunkt einer ebenso aufschlussreichen wie amüsanten Produktion des Aachener Theaters im Mörgens. Dramaturg und Regisseur Lukas Popovic gelingt es, den Text mit leicht ironischem Augenaufschlag rezitieren zu lassen, ohne ihn bloßzustellen. Deshalb verzichtet er auch auf szenische Illustrationen, die das kunstvolle Szenario Tiecks unangemessen banalisieren würde.

Die Schauspieler Christine Barth und Matthias Bernhold mit pointiertem und hintergründigem Erzählstil sowie die Sänger Judith Berning und Martin Berner lassen sich in neutraler Kleidung an zwei gemütlichen Kaffeehaus-Tischen nieder, verstreuen sich während der Vorträge im Raum und deuten eine Art romantischen Liederspiels an. Wenn die Entführungen und Rettungen zu fantastische Züge annehmen, fällt schon einmal das elektrische Licht aus, und wir fühlen uns bei Kerzenschimmer um 150 Jahre zurückversetzt.

Den größten Raum der Spielfläche nimmt der Flügel ein. Die Brahms-Vertonungen bieten eine Vertiefung und Differenzierung des emotionalen Gehalts der raffiniert gestrickten Erzählung.

Der Bariton Martin Berner, in Oper und Oratorium schon mit erstklassigen Leistungen hervorgetreten, geht die Gesänge mit großer Stimme an, verleiht ihnen einen leicht opernhaften Duktus, der doch manche Feinheit überspielt. Vor allem in Piano-Bereichen verliert der Vortrag an Substanz.

Es ist Geschmacksache, ob sich das Timbre von Judith Bernings Mezzosopran vorteilhaft in der Liedkunst ausmacht. Immerhin gelingen ihr emotional ansprechende Vorträge, wenn auch die Stimme in der Mittellage bisweilen ein wenig unflexibel anspricht. Korrepetitor Volker Hiemeyer setzt mit dem schwierigen Klavierpart auf robuste Töne.

Viel Beifall für einen originellen Beitrag von hohem Unterhaltungswert.