Aachen: Amerikanisches Flair: Neujahrskonzert mit vielen Überraschungen

Aachen: Amerikanisches Flair: Neujahrskonzert mit vielen Überraschungen

Amerikanisch ging es im Neujahrskonzert des Aachener Sinfonieorchesters im ausverkauften Eurogress zu. Die neue Präsidenten-Ära gebe Anlass zu bescheidenen Hoffnungen, betonte GMD Marcus R. Bosch. Die fetzigen Klänge der amerikanischen Klassiker Gershwin, Copland und Bernstein passten gut in die Landschaft der Zeit. Dafür gab er seinem Wunsch nach einem erträglichen Probenraum Nachdruck.

Leonard Bernsteins West Side Story stellte die akustischen Bedingungen des Eurogress auf eine halte Probe. Dennoch ließ es Bosch es „krachen” und swingen. Und da war eine Menge an Temperament und orchestraler Brillanz, allerdings auch an klanglicher Kompaktheit zu hören, die die feinen rhythmischen Strukturen nicht immer präzis zur Geltung kommen ließen.

Robustheit bestimmte auch das qualitativ wertvollste Highlight des Abends, George Gershwins Rhapsody in Blue mit dem berühmtesten Klarinettensolo der Musikgeschichte. Den schwierigen Klavierpart übernahm Markus Becker, ein versierter, vielseitiger Pianist.

So stand einer hörenswerten, vom Publikum begeistert gefeierten Aufführung des beliebten Stücks nichts im Weg. Mit zwei Solo-Stücken von Friedlich Gulda und Chick Corea sorgte Becker zuvor für kühne, jazzige Töne.

Den Abend leitete Bosch mit der Ouvertüre zu Gershwins Musical „Girl Crazy” ein, einer raffinierten Paraphrase des Hits „I got rhythm”. Ein Schlager, der in der Zugabe mit einem beachtlichen Bassposaunen-Solo aufgegriffen wurde. Aaron Coplands pittoreske Four Dance Episodes aus Rodeo folgten.

Gleichwohl ließ Bosch im abschließenden Hoe-Down unbeschwerte, rhythmisch etwas wackelige Hilly-Billy-Atmosphäreanklingen. Standing Ovations für ein Neujahrskonzert der anderen Art.

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