Aachen: Amadèo-Kammermusik wieder auf hohem Niveau

Aachen : Amadèo-Kammermusik wieder auf hohem Niveau

Dass sich die Amadèo-Kammermusikabende im Rahmen des Euriade-Festivals durch ein hohes künstlerisches Niveau auszeichnen, ist nichts Neues, erwies sich jedoch einmal mehr anlässlich des Konzertes im Ballsaal des Alten Kurhauses in Aachen.

Mit dem Motto „Russische Seele” sollte man allerdings vorsichtig sein, der dubiose Slogan, trifft nicht einmal Peter Tschaikowski ganz, geschweige denn die Großen des 20. Jahrhunderts, Dmitri Schostakowitsch und Sergei Prokofjew.

Makelloses Zusammenspiel

Ein Großwerk wie Schostakowitschs Klavierquintett von 1940, das selbst die Gnade der Stalin-Funktionäre fand, lebt nicht nur von Expression, sondern nicht weniger von meisterlicher Architektur und musikalisch-technischer Strukturierung. Entsprechend boten es denn auch die Geiger Wolfgang Schröder und Andres Mustonen, der Bratscher Peter Barsony, der Cellist Ramon Jaffé und der Pianist Andreas Frölich. Eine Wiedergabe, die gleichermaßen dem „bachischen” Prelude wie der in-trovertierten Fuge, dem hämmernden Scherzo und dem entspannten Rondo-Finale überzeugend gerecht wurde. Makellos das klanglich ausgewogene Zusammenspiel.

Auf ähnlicher Ebene liegt Pro-kofjews Cellosonate C-Dur op. 119, entstanden kurz nach der Verfemung des „formalistischen” Komponisten durch die Schergen Stalins 1948, der auch Schostakowitsch zum Opfer fiel. Das für Rostropowitsch geschriebene, technisch höchst anspruchsvolle Werk gelangte durch den fabelhaften Ramon Jaffé mit Andreas Frölich am Flügel zu einer ungemein souveränen, die unterschiedlichsten Ausdrucksebenen plastisch gegeneinander austarierenden Darstellung.

Im zweiten, weniger anspruchsvollen Konzertteil gab man dem Affen Zucker. Das gilt für Rachmaninows Vocalise und seine beiden Salonstücke, die der Cellist Alexander Hülshoff, begleitet von Alfredo Oyaguez, sehr tonschön vortrug, wie für das überaus wirkungsvolle Streichsextett „Souvenir de Florence” von Tschaikowski, für das sich die Geiger Friedemann Eichhorn und Uta Kunert, die Bratscher Alexia Eichhorn und Peter Barsony wie die Cellisten Alexander Hülshoff und Katharina Apel-Hülshoff höchst erfolgreich einsetzten.

Noch drei Konzerte am Samstag und Sonntag

Das Amadèo-Kammermusikfestival bietet noch drei Konzerte: Am Samstag findet von 19.30 bis 23.00 Uhr eine musikalisch-kulinarische Konzertnacht in der Aachener Aula Carolina statt. Das Programm reicht von Barock bis Rock.

Unter dem Titel „Reformation und Barock” steht die Literatur-Matinee am morgigen Sonntag, 11 Uhr, im Kasteel Vaalsbroek in Vaals

Das Abschlussfest wird an diesem Sonntag von 17 bis 21 Uhr im Kasteel Erenstein in Kerkrade mit Melodien von Mozart, Schubert, Schönberg und anderen gefeiert.


Weitere Infos im Internet:

www.euriade.net

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