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Düsseldorf: Am Sonntag entscheidet Düsseldorf über den neuen OB

Düsseldorf : Am Sonntag entscheidet Düsseldorf über den neuen OB

Während des Oberbürgermeister-Wahlkampfes in Düsseldorf sind sich die Protagonisten von CDU und SPD zumeist aus dem Weg gegangen. Vor allem CDU-Kandidat Dirk Elbers wollte ein Duell mit seiner SPD-Konkurrentin Karin Kortmann erkennbar vermeiden, „um ihr keine Plattform zu bieten”.

Schließlich schaffte es der in Düsseldorf ansässige Privatsender CenterTV, die beiden OB-Kandidaten vor die Kameras zu hohlen. Ein eher müder Wahlkampf, der an diesem Sonntag mit der OB-Wahl zu Ende geht, erreichte seinen Höhepunkt.

Elbers und Kortmann stritten bisweilen wie die Kesselflicker. „Bleiben Sie Provinzpolitiker, das ist in Ordnung!”, bellte Kortmann Elbers an. Der keilte zurück: „Es geht um die Stadt Düsseldorf und nicht das, was Sie in Berlin oder irgendwo in Afrika machen.”

Kortmann, 51, ist Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretärin im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. In der Kommunalpolitik trat sie bislang lediglich als Düsseldorfer SPD-Unterbezirkschefin in Erscheinung. Dagegen sitzt der Elbers, 50, Geschäftsführer einer gräflichen Liegenschaftsverwaltung, seit 1996 im Rat der Stadt Düsseldorf und fungiert dort seit 2002 als CDU-Fraktionschef. Seit vier Jahren ist er ehrenamtlicher Erster Bürgermeister.

Beide Kandidaten versuchen, mit ihren unterschiedlichen Biographien und Tätigkeitsfeldern bei den Wählern zu punkten. Zudem setzen sie kurz vor der Wahl auf prominente Wahlkämpfer aus der Bundespolitik. Angela Merkel trommelte am Freitag auf dem Rathausplatz für Elbers, zwei Stunden später legte sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück für Kortmann ins Zeug.

Am Ende dürfte es auf die Überzeugungskraft der Kandidaten selbst ankommen. Elbers stellt auf den großflächigen Wahlplakaten seine tiefe Verwurzelung in der Stadt („Mit Leidenschaft für Düsseldorf”) und seine kommunalpolitische Kompetenz heraus.

Er versteht sich als legitimer politischer Erbe des im Mai dieses Jahres gestorbenen CDU-Oberbürgermeisters Joachim Erwin. Zwar war Erwin wegen seines autoritären Führungsstils in der Landeshauptstadt und selbst bei Parteifreunden nicht unumstritten. Aber der fleißige Arbeiter schaffte es trotz eines Krebsleidens, Düsseldorf das Image einer prosperierenden Wirtschafts- und Sportmetropole zu verschaffen.

Ein von ihren Wahlkampfstrategen geschriebenes „Schwarzbuch”-Manuskript über Erwins dubioses Netzwerk in Wirtschaft und Stadtverwaltung ließ Kortmann erst gar nicht in Druck gehen, auch sie hat Respekt vor seiner politischen Leistung. Kortmann will heraus aus dem langen Schatten des verstorbenen OB, der von den Bürgern zwar nicht geliebt, als politischer Macher aber geschätzt wurde. Kortmann will sich von der Ära Erwin in Stil und Inhalt deutlich absetzen.

„Dieses Weiter so´ wollen wir nicht.” Schuldenfreiheit sei zwar ein hohes Gut, sagt Kortmann, aber diese sei in Düsseldorf etwa durch die Privatisierung der Stadtwerke „teuer erkauft” worden. Mit ihr werde es „keine Privatisierungen” geben, versichert die SPD-Kandidatin auf ihren Plakaten: „Düsseldorf freu Dich: Dein bleibt Dein!”

Keinerlei Kompetenz

Im Laufe des Wahlkampfs hat Kortmann selbst nach Einschätzung CDU-naher Medien an Ansehen und Standing gewonnen. Dies hat Elbers, der sich zunächst wie ein Amtsinhaber inszenierte, staatsmännisch auftrat und überwiegend moderate Töne anschlug, zu immer härteren Attacken provoziert. Seiner aus der Bundespolitik kommenden SPD-Gegenkandidatin sprach er jegliche Düsseldorf-Kompetenz ab.

Elbers zentrales Wahlkampfversprechen richte sich an die Wirtschaft in der Stadt: Im Falle eines Wahlsieges will er die Gewerbesteuer um fünf Prozent senken. Elbers´ Kalkül, sich beim Wähler als Nachlassverwalter Erwins anheischig zu machen, scheint nach einer aktuellen Emnid-Umfrage aufzugehen. Danach votierten 42 Prozent der Düsseldorfer für Elbers und lediglich 29 Prozent für Kortmann.

Obwohl die Grünen von der politischen Performance der linken SPD-Frau geradezu schwärmen, räumen sie ihr am kommenden Sonntag kaum realistische Siegchancen ein. Die grüne Düsseldorfer Landtagsabgeordnete Monika Düker ist nach etlichen Wahlkampfveranstaltungen und Info-Ständen einigermaßen desillusioniert. Sie sagt: „Es gibt keine politische Wechselstimmung in dieser Stadt.”