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Aachen/Köln/Berlin: Am 24. spricht Ulla die "Ullala"

Aachen/Köln/Berlin : Am 24. spricht Ulla die "Ullala"

Im Oktober begann das Spiel mit der liebevollen rheinisch-näselnden Art von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt im Wellen-Äther. Inzwischen ist eine Art Kultserie daraus geworden.

Die Hörer von WDR 2, besonders natürlich die in der Region Aachen, verlangen inzwischen nach den singenden Sprüchen von „Ullala”, die täglich bärenstarke Tipps aus den schier unerschöpflichen Regalen im Berliner „Reformhaus Schmidt” nimmt und sie via Radioempfänger kolportiert.

Mit menschlichen und praktisch-politischen Weisheiten gespickt, kommen die 40-Sekunden langen Ulk-Spots daher, jedes „Ess-ze-ha” in den Worten zischt und quietscht, die näselnde Ulk-Ministerin scheint von Dauerschnupfen gequält, beklagt oftmals ein kleines Malheur. Beispiel: Mal zieht Ullala beim Weihnachtswichteln „den Chef persönlich” und denkt mit Schrecken daran, dass Schröder nahezu immer dicke Zigarren verschenkt - der Untergang ihrer ministeriellen Glaubwürdigkeit.

Über allem schwebt Ullalas neurotisch verinnerlichter Sparzwang, das eiserne Diktat der Gesundheitsreform prägt eben. Kerzensparen im Advent? Kein Problem für Ullala: „Stellt die 1. Kerze vor den Spiegel”, meinte sie kurz nach Nikolaus, „dann ist bereits der 2. Advent.”

Wer ist denn eigentlich die Ullala, und wer schreibt die kultigen Sequenzen? Am Mikrofon im WDR-Funkhaus am Kölner Wallraffplatz sitzt eine echte Rheinländerin, nimmt die „breiten”, fast bräsigen Sätze teils mit zugehaltener Nase auf. Katrin Schmick (nicht Schmidt!), 36, ist gebürtige Bonnerin, machte einen Abstecher zum Südwestfunk, lebte hauptsächlich in der Rheinschiene Bonn, Köln, Düsseldorf. Denn wer schon beherrscht das Rheinische direkt und perfekt „aus der Lameng”?

Die kleine agile Hörfunkfrau ist eine der ständigen Moderatorinnen des Morgenmagazins, machte eines Tages im Studio zufällig „die Ulla” - fast perfekt war das. Und zufällig hörte das ein Redakteur der Unterhaltungssparte, der groß gewachsene Lockenkopf Andreas Neuhaus (41), ein gebürtiger Wuppertaler. Die beiden wurden das kongeniale Paar, das seit fast drei Monaten täglich die liebenswerten Ullala-Sprüche in die Welt setzt. Zuerst nachmittags bei „Rhein-Weser”, dann auf diversen Programmplätzen. Jetzt gibt es bereits einen Autorenpool.

Am häufigsten aber erfreut Ullala die Hörer im Morgenmagazin. Und da kann es passieren, schmunzelt Katrin Schmick, dass zuerst das „Reformhaus Schmidt” läuft und dann die Ministerin „leibhaftig” zum Interview an der Strippe ist. „Das vermischt sich aber nicht”, meint die Moderatorin, in diesen Augenblicken gehe es schließlich um Ernstes.

Neuhaus zur Ulk-Philosophie: „Frau Schmidt ist eben eine Symbolfigur.” Ihre Reform war das erste „große Baby”, mit ihr verbinde man das Gefühl „es geht uns ans Hemd”, Schmidt als die Ikone der Berliner Sparbeschlüsse eben. Die Figur an sich müsse tragen. Sie verbinde Einfachheit und das doch Menschliche in der Politik. Das mache, so Katrin Schmick, den so nicht erwarteten Erfolg aus.

Ihren einfach umwerfenden Slang erwähnt sie nicht. Den hatte sie nach einigen TV-Auftritten Ulla Schmidts drauf. Denn eine doppelte Ulla will sie nicht werden - sie ist eben nur die spaßige Ullala. Für letztere schlagen, scheints, ebenso Sparmaßnahmen durch: Das große Heiligabend-Türchen wird die echte Ulla Schmidt höchstpersönlich schließen. Die Aachener Ministerin ließ sich nicht lumpen und spielte ihre „Weihnachtsansprache” für den 24. selbst ein - hoffentlich wird sie nicht mit Katrin Schmick verwechselt!