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Aachen: Alter Kämpfer hält sich zurück

Aachen : Alter Kämpfer hält sich zurück

Hannes Wader nach zwei Jahren wieder im Audimax der RWTH Aachen - da kommen die Fans und drücken sich gerne in die engen Bankreihen mit den Schreibtischchen vorm Bauch. Natürlich hat sich auch beim Auftritt des Liedermachers nichts geändert: dezente Kleidung, Mikrofonständer, Gitarre vorm Bauch.

So singt Wader seit vielen Jahren, und so mag es sein Publikum. Doch der streitbare Poet aus Bielefeld wird müde, so hat es an diesem Abend den Anschein: Viele seiner Songs sind wunderbar lyrische, aber unverfängliche Landschaftsbeschreibungen („Der hölzerne Brunnen”, „Der Weißdornbusch”) oder Lieder, in denen sich der fast 65-jährige Liedermacher bereits mit dem Tod beschäftigt („Hotel zur langen Dämmerung”, „Schwestern, Brüder”).

„Trotz alledem”

Erst in der zweiten Hälfte des zweistündigen Konzerts wird Wader politischer. Doch auch da beschäftigt er sich überwiegend mit der Vergangenheit, wenn er mit „Mamita Mia” an den spanischen Bürgerkrieg und den verbrecherischen Anteil der Deutschen daran erinnert oder mit „Oh, König von Preußen” - einem Lied aus dem 18. Jahrhundert - das schlechte Soldatenleben anprangert.

Erst bei „Stellungnahme” und einer neuen Textversion von „Trotz alledem”, in dem er mit dem Neoliberalismus unserer Tage abrechnet, ist der alte Kämpfer Wader wieder zu spüren: „Wollen wir Sand ins Getriebe streu´n, wohl wissend, dass kein Übel ewig währt.”

Seinem Publikum hat diese altersmilde Mischung - ein wenig Folklore, ein paar alte Hits, ein bisschen Politisches - dennoch gefallen.

Und als Wader seine treuen Begleiter bei der letzten Zugabe - „Ade, nun zur guten Nacht” - auch noch zum Mitsingen auffordert, ist der Abend perfekt. Das Herz ist erwärmt, der nasskalte Februar vergessen.