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Bergheim: Algen reduzieren Kohlendioxid aus RWE-Kraftwerk

Bergheim : Algen reduzieren Kohlendioxid aus RWE-Kraftwerk

Zum ersten Mal werden Mikroalgen zur Reduzierung des klimaschädlichen Kohlendioxidanteils im industriellen Maßstab eingesetzt. Der Kraftwerksbetreiber RWE Power nahm am Donnerstag am Braunkohlekraftwerk Niederaußem bei Köln eine Pilotanlage in Betrieb.

Den in Salzwasser schwimmenden Algen wird Rauchgas aus dem Kraftwerk zugesetzt. Die Mikroalgen wandeln das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) nach dem Prinzip der Photosynthese in Biomasse um. Die Algen könnten später beispielsweise als Energieträger verwendet werden, teilte die maßgeblich beteiligte Jacobs University (Bremen) mit.

Ziel sei die Optimierung des Verfahrens. Vor allem stehe aber der Nachweis im Vordergrund, ob unter Berücksichtigung der Gesamtenergiebilanz tatsächlich eine Netto-CO2-Minderung erzielt werde. Nach Angaben der Universität stellt RWE 700.000 Euro für die erste Projektphase bereit. Laut RWE ist die Weiterverwendung der Algen ebenfalls Gegenstand des Forschungsprojektes.

Für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) ist die Algenproduktionsanlage ein Beweis dafür, dass Kohle und Klima „keine Entweder-Oder-Entscheidung” sei. „Mit moderner Technik können wir Energieeffizienzen schaffen und unsere Umwelt vor schädlichen Emissionen schützen”, sagte Rüttgers laut Mitteilung bei der Einweihung. RWE trage dazu bei, dass innovativer Klimaschutz keine Leerformel bleibe, sondern dass das Unternehmen Umwelt und Wirtschaft im Blick habe.

Nach einer Studie des World Wide Fund for Nature (WWF) gehörte Niederaußem 2006 zu den schmutzigsten Kraftwerken in Europa. Demnach gab das Kraftwerk rund 1200 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde ab.

Im Vergleich zu Landpflanzen wachsen die wenige Millimeterbruchteile großen Mikroalgen bis zu zehn Mal schneller als Landpflanzen. Ein schnelleres Wachstum bedeute eine stärkere Photosyntheseleistung und damit einen höheren CO 2-Verbrauch, stellte der Projektleiter Professor Laurenz Thomsen fest.

Die 600 Quadratmeter große Versuchsanlage wurde in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks errichtet. Das Rauchgas wird hinter der Rauchgasentschwefelungsanlage entnommen. In dem Zustand, in dem es normalerweise in die Luft gelangt, wird es in das Gemisch aus Salzwasser und Mikroalgen gebracht. Durch transparente Schläuche und besondere Gewächshäuser bekommen die Algen genug Licht und wachsen.

RWE-Vorstandsvorsitzender Jürgen Großmann sagte laut Mitteilung: „Unser Algenprojekt zeigt, dass wir bei der Klimavorsorge vorweg gehen.”. RWE wolle CO 2 nicht wie andere nur im Boden speichern. Der Konzern suche nach einer sinnvollen Verwendung für die weitere Energieerzeugung.