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Würselen: Al Di Meola mit Begleitung auf Burg Wilhelmstein

Würselen : Al Di Meola mit Begleitung auf Burg Wilhelmstein

Manchmal ist es schon ein Kreuz mit der Virtuosität. Al Di Meola zum Beispiel: Dass der US-Amerikaner, der seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile in Deutschland hat, immer noch zu den herausragenden Gitarristen unserer Zeit zählt, wird niemand ernsthaft in Zweifel ziehen.

Seine Fangemeinde ist riesig; sie verehrt den 60-Jährigen wegen der Geschwindigkeit seiner Fingerläufe und der Kreativität, mit der er Flamenco, Jazz, Rock und lateinamerikanische Folklore bis hin zum Tango kunstvoll miteinander verwebt. Und jetzt hat er auch noch Songs der Beatles neu interpretiert. Kann da irgendwas schiefgehen? Es kann, und was das ist, war bei seinem Konzert auf Burg Wilhelmstein in Würselen zu besichtigen.

Natürlich wird auch an diesem Abend deutlich, dass Di Meolas Technik über jeden Zweifel erhaben ist. Sympathisch ist er auch, wie er da mit dem Publikum im ausverkauften Halbrund scherzt. Zur Seite sitzen ihm obendrein zwei weitere Ausnahmemusiker: der Sarde Peo Alfonsi, mit seiner Akustikgitarre ein feinfühliger Begleiter und Zuspieler, und der Marokkaner Rhani Krija, der die meiste Zeit allerdings wenig, wenn nicht gar unterbeschäftigt hinter seinem beeindruckenden Percussion-Arsenal sitzt.

Die Bühne beherrscht der Gitarrengott Di Meola, und das nicht nur, weil er in der Mitte sitzt. Er werde alte Stücke, einige Beatles-Improvisationen und neue Sachen spielen, die noch gar nicht auf CD erschienen seien, sagt er zu Beginn des Konzertes. Nach dem gefühlt 20. filigranen Solo wünscht man sich mehr von den Beatles, vor allem aber etwas mehr Groove — wie bei „Mediterranean Sundance“, dem „Friday Night“-Klassiker, der im Zugabenteil nicht fehlen darf.

Denn das würde das Herz erwärmen. Virtuosität allein kann das nicht. Die Musik, die das Publikum an diesem nasskalten Abend auf der Burg zu hören bekommt, ist in ihrer Polyphonie vertrackt und harmonisch anspruchsvoll; ihre Komplexität mag sich beim dritten oder vierten Hören komplett offenbaren. Für ein Konzert sind das nicht die allerbesten Voraussetzungen. Das Publikum jedenfalls ist dankbar, wenn es mal etwas temporeicher zur Sache geht und Krija seine Einsätze hat. Und wenn das Trio sich dann doch mal den Beatles widmet (die Adaption von „She’s Leaving Home“ ist der Höhepunkt des Konzertes) wird fast alles gut.