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Aachen: AKV mit 5,72 Millionen TV-Zuschauern

Aachen : AKV mit 5,72 Millionen TV-Zuschauern

Mit 5,72 Millionen TV-Zuschauern im Schnitt lag die Festsitzung des Aachener Karnevalsverein (AKV) „Widen den tierischen Ernst” in ähnlicher Zuschauergunst wie im Vorjahr (5,71). Der Marktanteil sank allerdings auf 16,5 Prozent (17,8 Prozent im Vorjahr).

Der Grund: Zeitgleich zur Aufzeichnung am Sonntag Abend in der ARD hat insbesondere Inga Lindströms Liebesfilm „Inselsommer” im ZDF mit 22 Prozent den Aachener Narren das Weihwasser des ritterlichen Kardinals abgegraben. 30 Minuten mussten für die TV-Fassung geschnitten werden. „Das ist viel zu viel. Wir dürfen in Zukunft nicht in dieser Größenordnung überziehen, insbesondere die Reden sollten kürzer werden”, übte sich AKV-Vizepräsident Ulrich Wellen am Montag trotz des Sitzungs-Erfolges in Selbstkritik.

Allein die Rede von Norbert Blüm (23 Minuten) wurde um elf Minuten beschnitten. Deswegen war der Publikumsliebling einst auf die närrische Palme gestiegen und im Vorjahr zu Hause geblieben. „Ich rege mich darüber nicht mehr auf”, reagierte der Ex-Arbeitsminister diesmal äußerst gelassen. „Es ist schon in Ordnung. Außerdem gibt es derzeit mehr Dinge auf der Welt, über die man sich wirklich aufregen kann.” Zumal die Fernsehfassung seiner Rede gut über die Rampe kam.

Die AKV-Sitzung löste am Montag in zahlreichem deutschen Zeitungen ein ebenso beachtliches wie durchweg positives, zuweilen augenzwinkerndes Medienecho aus. Hier ein Überblick.

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Ein Kardinal als Kappenträger? Passt das? Es hat gepasst. Der hintersinnige Witz und manchmal sogar Nachdenklichkeit gewannen Raum im Aachener Eurogress.

Kölnische Rundschau: Ein Schlitzohr erobert die Jecken-Herzen. Das Treffen der Narren fand vor der Bühnenkulisse des Aachener Doms statt. Eine Versuchung für den Teufel, der am Ende leer ausging. AKV-Präsident Dieter Bischoff kommentierte das zufrieden mit einem Zitat des Mainzer Bischofs: „Wer die Hintertreppen des Vatikans kennt, überlebt auch den Aachener Karneval.”

Bildzeitung: Note 1 auch für die gesamte Show. Ein Feuerwerk aus Tanz, Show, Musik und klasse Beiträgen. Teuflisch gut dabei Ex-Prinz Rolf Gerrards als Höllenfürst, der mit gierig-sündigem Weibsvolk um die Seele des Kardinals kämpfte.

Süddeutsche Zeitung: Die Sitzung lieferte genug Gründe, in künftigen Lebensbeschreibungen ein wenig Platz für des Kardinals Humor zu reservieren, wobei sich der auch weiterhin weniger im Karnevalesken hin entwickeln wird. Aber humorlos ist Lehmann nun doch auf keinen Fall.

Deutsche Presseagantur: 13 Ordensritter kamen zur Verleihung - deutlich mehr als in den Vorjahren. Sie hatten höllischen Respekt vor dem Kirchenmann. Schluss mit dem sündigen Leben in der Ritterrunde.

Mainzer Allgemeine: In Aachen heißt die Fastnacht Karneval. Und statt „Helau” wird „Alaaf” gerufen (immerhin: auch das dreimal). Ansonsten sind die Unterschiede so riesig nicht. Was allerdings daran liegen könnte, dass die Festsitzung „Wider den tierischen Ernst” ziemlich meenzerisch unterwandert ist. Das liegt natürlich an dem Mann, der an diesem Abend zum Ordensritter geschlagen wird: Karl Kardinal Lehmann.

Rheinische Post: Guido Westerwelle - noch ein Politiker in der Aachener Bütt, ob nicht weniger mehr wäre? - nahm sich selbst auf den Arm. Frischer als der routinierte Spaßvogel Guido wirkte das schwarz-grüne Europapolitiker-Duo Armin Laschet und Cem Özdemir.