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Aachen: Akrobatischer Gefühls-Wirbel

Aachen : Akrobatischer Gefühls-Wirbel

Auch ohne das Schild „Ausverkauft” konnte jeder sehen, dass es kaum Lücken in den Sitzreihen der „Mulde” im Ludwig Forum gab. Die französische Gruppe Black Blanc Beur hat in Aachen längst schon einen guten Namen.

Nicht nur, weil sie Preisträger des Innovationspreises 2002 der Peter-und-Irene-Ludwig-Stiftung waren und 2004 hier ihr 20-jähriges Jubiläum feiern konnten.

Begonnen hat die tänzerische Erfolgsgeschichte vor mehr als 20 Jahren auf den Straßen der Pariser Vorstädte. Jean Djemad holte die talentierten Kids aus verschiedenen Kulturen von der Straße auf die Bühne. HipHop, Break Dance und viele andere kulturelle Einflüsse verbanden „Black Blanc Beur” (Schwarz, Weiß und „Beurs”, die Kinder algerischer Einwanderer) vom ersten Tage an.

Jetzt konnte das staunende Aachener Publikum die innovative Weiterentwicklung der unorthodoxen Truppe miterleben, die unter der Leitung von Christine Coudun und Jean Djemad Break Dance und HipHop „salonfähig” gemacht hat.

Kreatürlich und kreativ der erste Programmteil mit fünf Tänzerinnen, die das Weibliche ihres Programms „Au féminin” auf die akrobatische Spitze treiben. Unter der Choreografie von Christine Coudun lassen die Tänzerinnen einen sinnenfrohen HipHop-Kosmos erstehen, in dem vier Breakerinnen eine Tänzerin zum lustvollen Miteinander „verführen”.

Der bizarre Klangteppich (Doctor L) verstärkt noch den Sog, in den auch die Zuschauer geraten. Exotische Bewegungsabläufe, die zuweilen an Urvölker-Riten erinnern, werden zu übermütigen Balgereien und Straßenkämpfen, deren Aggression wiederum zu Hierarchien führt. Die später heiter aufgelöst werden wie in der bannenden Szenerie mit einem Stofffetzen von Rock, der wie eine Trophäe von einer Frau zur anderen fliegt.

Faszinierend auch der zweite Teil mit drei Tänzern: „T„es trois” (Du bist drei) zeigt einen atemberaubenden Kampf um männliche Dominanz. Was zunächst nur lässig kumpelhaft anmutet, wird zusehends aggressiver und gefährlicher.

Die exzellente Choreografie, ebenfalls von Christine Coudun, verschweißt kunstvoll HipHop mit Kampfsport, Break Dance mit Akrobatik und modernem Ausdruckstanz. Emotion, Rivalität und Brutalität werden körperlich spürbar gemacht. Die Mulde erbebte geradezu unter den Beifallsstürmen, mit denen das hingerissene Publikum die französische Truppe bedachte. Die Künstler bedankten sich strahlend mit einer kleinen Zugabe.