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Aachen: Akrobatische Musik mit exotischem Feuer

Aachen : Akrobatische Musik mit exotischem Feuer

Das Programm des zweiten Meisterkonzertes mit den Dresdner Kapellsolisten unter der Leitung von Helmut Branny bezog seinen Reiz aus der Gegenüberstellung je eines Mozart-Werkes mit einem Werk des 20. Jahrhunderts in beiden Konzertteilen.

War es im ersten Teil die Sinfonie B-Dur KV 319, die mit einem exotisch anmutenden Konzert für Marimba und Streicher des Brasilianers Ney Rosauro konfrontiert wurde, so stand in der zweiten Hälfte das Violinkonzert D-Dur KV 218 neben Dimitri Schostakowitschs Präludium und Scherzo für Streicher op. 11.

Als versierte und hochkarätige Instrumentalisten erweisen sich die Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle Dresden und der Dresdener Philharmonie in Kammerorchesterformation. Mozarts völlig zu Unrecht selten aufgeführte, kompositorisch reife B-Dur-Sinfonie erfuhr durch das Ensemble eine entspannt musizierte, klanglich ausgewogene und genau artikulierte Wiedergabe, die federnde Eleganz mit biegsamer Kantabilität verband.

Das Gegenteil davon war in der Interpretation des D-Dur Konzertes durch die Geigerin Babette Haag zu erleben. Die junge Stuttgarterin, technisch brillant und mit schönem, schlankem Ton begabt, hetzte durch die beiden Ecksätze, als würde sie vom Metronom getrieben, und ließ lediglich im Andante Mozarts doch hier eher serenadenhafter Musik Luft und Zeit zum Atmen und sich Ausschwingen.

Hörenswerter war da die Bach-Zugabe. Faszinierend dagegen der Auftritt der jungen Marimbaphonistin Babette Haag, die das Publikum von Anfang an durch ihr spektakuläres Spiel wie durch ihre jugendlich-bewegliche Erscheinung für sich einnahm.

Das viersätzige Konzert für Marimba und Streicher von Ney Rosauro gewinnt seinen Reiz aus der Verbindung von folkloristischen Elementen der afro-amerikanischen Musik mit Ostinati und wechselnden Metren in den schnellen und meditativer, leicht sentimentaler Melodik in den langsamen Sätzen.

Im präzisen Zusammenspiel mit den Dresdner Kapellsolisten entfachte die Solistin mit ihren vier Schlegeln ein Feuerwerk hochvirtuoser, klanglich differenzierter Schlagwerkkunst und demonstrierte so eindrucksvoll die verschiedenen Facetten ihres Instrumentes.

Seine hohe Spielkultur stellte das Ensemble bei Schostakowitschs hochanspruchsvollen, weil klanglich vielfach aufgesplitterten zwei Sätzen von op. 11 unter Beweis, deren spieltechnische Hochseillakrobatik mit Verve und vollem Risiko angegangen und gemeistert wurden.

Eine brillante Leistung des Streicherensembles. Ein charmanter Ausklang war die Zugabe aus Leos Janaceks Suite für Streicher.