Aachen: „across the borders”: Kulturfestival entlang der Route Charlemagne

Aachen: „across the borders”: Kulturfestival entlang der Route Charlemagne

Kaiser Karl wird umgarnt, im historischen Krönungssaal wird es richtig laut, und der Aachener Wald kommt auf den Katschhof - jedenfalls teilweise: Das Kulturfestival „across the borders” mit Ereignissen aus den Bereichen der Bildenden Kunst, Tanz-Musik-Performance und Theater geht als sparten- und grenzüberschreitendes Kulturfestival entlang der Route Charlemagne rund um den Schwerpunkt „Macht” in die zweite Runde.

19 Veranstaltungen werden mit 100.000 Euro Etat und der Unterstützung eines großen Sponsorenteam möglich, wobei der Titel durchaus auch Programm ist: „Wir überschreiten nicht nur die nationalen Grenzen, sondern bieten auch inhaltlich Neues, Ungewohntes”, betont Kulturbetriebsleiter Olaf Müller, der zusammen mit Veranstaltungsmanager Rick Takvorian und dessen Mitarbeiterinnen das Konzept erläutert. So gilt es, die Stadt, in der man wohnt, auch als Kulturort zu entdecken.

„Und das geschieht besonders dann, wenn Irritationen entstehen, gerade Künstler haben ja oft einen sehr besonderen Blick auf die Macht”, macht Müller auf Aktionen aufmerksam, die sicherlich Fragen aufwerfen. Eine davon ist sicherlich „Das Archiv”, mit dem Gedanken des „Einfädlers”, das vom 2. bis 9. Juni als Kunstinstallation den Karlsbrunnen vor dem Rathaus mit einem Netzwerk einspinnt.

Neue Orte - das sehen die Planer auch sehr konkret. So wird der Aachener Fotograf Andreas Herrmann zum Gedanken „Kulturstadt - Stadtkultur” nicht nur das 15 Meter lange und 2,30 Meter hohe Waldpanorama mitten in die Stadt - auf den Katschhof - bringen, sondern hoch oben in der Rotunde des Elisenbrunnens und im Super C (Eröffnung 7. Juni, 12 Uhr) der RWTH Aachen (Templergraben) seine Sicht auf Stadtkultur dokumentieren.

„Der Reiz besteht ja auch darin, zweckgebundene Orte plötzlich ganz anders zu nutzen”, so Müller. Bleibender „roter Faden” ist die Route Charlemagne. „Es soll zur Tradition werden, sie zu bespielen, und wir werden die nächsten Jahre dazu die Gelegenheit behalten”, versichert er. „Das ist jetzt schon beschlossene Sache, und wir freuen uns sehr über diese Chance.”

Als Gelegenheit, ausgefallene Projekte mit vertrauten Formen der Kultur zu verknüpfen, ist für Rick Takvorian „across the borders” ein anspruchsvolles Experimentierfeld, auf dem man Vertrautes und Andersartiges möglichst vielen Menschen nahebringen kann. „Irritation, Provokation, Innovation sind Begriffe, die dazu passen und unsere Richtung anzeigen”, meint er.

„Wir haben es mit einem Format zu tun, das sich ausbauen lässt, und das zum Markenzeichen werden kann.” So sind gerade die experimentellen Aktionen stets in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Künstlern entstanden.

Dann wieder hat man sich intensiv mit musikalischen Angeboten beschäftigt, bevor man sie in den Kreis der „Grenzüberschreitungen” eingliederte. „Wir gehen zum ersten Mal in die City-Kirche (Großkölnstraße), doch niemand muss befürchten, dass wir die Würde des Ortes missachten”, verspricht er. Hier stellt der Trompeter und Sänger Terrence Ngassa (20. Juni, 20 Uhr) mit seiner Band die Verbindung von afrikanischer Musik und Jazz her.

Den Kirchenraum entdeckt auch Helen Schneider für sich, die in St. Paul (Jakobstraße) auftreten wird. Hier wird zudem Trilok Gurtu, der indische „Wanderer zwischen den Welten” (25. Juli, 20.30 Uhr) Grenzen akustischer Impressionen ausloten. Gleich zur Eröffnung am 26. Mai (20.30 Uhr) im Krönungssaal stellt man effektvoll den historischen Raum in Beziehung zu einem Percussion-Erlebnis: „Double Drums ,Macht´ Kunst” lautet der Titel einer Vorstellung, in der rhythmische Klang- und Bildwelten verschmelzen.

Riesige Trommeln

Überdimensionale Trommeln und Lichteffekte sorgen für „machtvolle” und recht laute Eindrücke. Das Quadrum des Aachener Doms haben die Veranstalter längst als besonders atmosphärischen Ort entdeckt: Hier gibt es auch diesmal Konzerte wie etwa den auftritt der Kelly-Family-Tochter Patricia mit ihrer Band, die eine Vorliebe für lyrische Balladen hat, oder mit der deutsch-ghanaischen Sängerin Adwoa Hackman, die ihr Publikum mitten zwischen historischen Mauern „Tief wie das Meer” beeindrucken möchte. Umweht von einem leuchtenden Fahnenwald kann man danach „WindArt” auf dem Katschhof erleben.

„Kunst als ein Ereignis, das uns umgibt, das ist faszinierend”, schwärmt Olaf Müller. So ist jedes Programmelement ein Unikat. In der „Langen Nacht der Museen” sollen sich, so die Planer, alle Gedanken zu „across the borders” bündeln und quasi als „Finissage” am 29. August abschließen - zum Beispiel mit dem Midnight-Special im Ludwig Forum mit Musiker und Meisterkoch Guo Yue der „Music, Food and Love” verspricht.

„across the borders”, Kulturfestival entlang der Route Charlemagne, 26. Mai bis 29. August. Eröffnung am 26. Mai, 20.30 Uhr, Krönungsssaal des Aachener Rathauses mit „Double Drums. 19 Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten, zum Teil auch unter freiem Himmel, etwa im Quadrum des Aachener Doms. Die Sängerin Helen Schneider tritt am 23. Juli in der Kirce St. Paul auf. Informationen unter 0241/4324940.

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