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Aachen/Alsdorf: Acht Jahre für Faruk E., aber Richter Nohl hofft

Aachen/Alsdorf : Acht Jahre für Faruk E., aber Richter Nohl hofft

Deutliche Worte bei Urteilsverkündungen gibt es öfters vom Vorsitzenden der Schwurgerichtskammer Dr. Gerd Nohl. Häufig zielen sie darauf ab, dem Täter Einsichten im Angesicht seiner Schuld ins Mark zu brennen. Am Montag im Fall des Faruk E. war dies nicht der Fall.

Die Kammer versuchte, den Drahtseilakt zwischen der Versöhnung des reuigen Täters mit seinen Kindern und dem Finden einer gerechten Strafe für seine abscheuliche Bluttat zu meistern. Acht Jahre wegen vollendetem und einem versuchten Totschlag heißt der Urteilsspruch.

Der geständige Angeklagte (der Richter: „selten hat man Täter, die rein gar nichts beschönigen”) wird allerdings wahrscheinlich nur die Hälfte der Strafe hinter Gittern sitzen müssen. Nohl nannte das in der Urteilsbegründung „Hilfe zum Wiederaufrichten” und setzte darauf, dass während und nach der Strafverbüßung die Familie wieder zusammenkommt.

„Brutale Art der Ausführung”

Das Drama der einstigen Vorzeigefamilie mit den Eheleuten Gertrud und Faruk E. endete morgens gegen 8.30 Uhr am 13. April, dem Osterdienstag dieses Jahres. Da hatte der 40-jährige Türke mit deutschem Pass seine Ehefrau (36) in der Alsdorfer Wohnung ihrer Schwester mit einem gerade erst gekauften Ausbeinmesser die Kehle durchgeschnitten, stach kurz danach auf seine Schwägerin ein. Für beide Taten, die eine brutale „Art der Ausführung” (Nohl) kennzeichne, müsse der Angeklagte hart bestraft werden.

Ein juristisch gesehen „minderschwerer Fall” sei das auch wegen der Folgen, die er seinen Kindern (sieben und sechzehn) angetan habe, keinesfalls. Auf der anderen Seite aber sei der 40-Jährige, der immer gesagte habe, „mit dieser Frau habe ich einen 6er im Lotto gewonnen”, zu Ostern in eine Lebenssituation gekommen, von der er, Nohl, niemandem wünsche, „dass er sie irgendwann bestehen” müsse.

Als „endgültigen Vertrauensbruch” habe der Angeklagte das Verhalten seiner Frau gewertet, die immer kümmerlicheres Interesse für den Hausumbau zeigte, der es letztlich egal war, wenn „die Farben” nicht stimmten. Das war am Ostersamstag, ein Alarmzeichen für den Angeklagten. Der beschloss, ihre Taschen zu durchsuchen, fand Präservative, die Pille und ein Bild des neuen Mannes.

Explosionsartiges Ende

Das Opfer habe ihren Mann, der ihr seit Jahren blind vertraute, an jenem Morgen extrem cool und überheblich abblitzen lassen: „Du weißt doch alles. Damit musst du leben.” Er tötete seine Frau, als die Schwägerin herein stürzte. Diese habe „nur noch das Weiße in den Augen” gesehen, sagte sie später. „Von einer Sekunde auf die andere”, schilderte der Richter den Ausnahmezustand, war die „Katastrophe perfekt” und „das Ende explosionsartig”.