1. Kultur

Accordate-Konzert in Aachen mit Frank Zimmermann und Martin Helmchen

Weltklasseniveau ohne Mätzchen : Accordate-Konzert in Aachen

Es war persönlichen Beziehungen zu verdanken, dass es den Organisatoren der Kammermusik­reihe Accordate gelungen ist, einen Weltstar wie den Geiger Frank Peter Zimmermann mit Klavierpartner Martin Helmchen für ein Gala-Sonderkonzert im Krönungssaal zu engagieren.

Die Aachener Musikfreunde, die ansonsten zu den großen internationalen Konzertsälen fahren müssen, um diese beiden Künstler zu hören, füllten denn auch den Krönungssaal bis auf den letzten Platz. Zimmermann und Helmchen boten ein Programm mit fünf der zehn Violinsonaten von Ludwig van Beethoven, die bis auf die letzte op. 96 in einem relativ kurzen Zeitraum von sechs Jahren entstanden und exemplarisch die künstlerische Entwicklung des Komponisten aufzeigen.

Sind die drei ersten von op. 12 noch relativ der Tradition mit einem dominierenden Klavierpart verpflichtet, wenngleich sich auch hier schon Beethovens höchst individueller Stil Bahn bricht, so erreicht Beethoven in den späteren, hier der vierten op. 23 und erst recht in der zehnten. op. 96 eine völlige Ausgewogenheit und Gleichberechtigung der beiden Partner. Zu hören war an diesem denkwürdigen Abend Kammermusik auf allerhöchstem Niveau, die nicht nur spieltechnisch keine Wünsche offen ließ, sondern auch ein wunderbares, genauestens aufeinander abgestimmtes Miteinander offenbarte.

Zimmermann ist ein völlig uneitler, bodenständiger Künstler, dem jede interpretatorische Allüre fremd ist. Er hat keinerlei Ambitionen in Richtung historisch orientierte Aufführungspraxis, muss auch nicht durch aufgesetzte tonliche und interpretatorische „Mätzchen“ demonstrieren, welch „moderner“ Komponist Beethoven doch war. Sein wunderbar biegsamer Ton, seine organisch wirkenden klanglichen Abschattierungen, die Natürlichkeit seines Vortrags erwecken den Eindruck, dass es so und nicht anders klingen muss. Helmchen ist ein gleichwertiger, technisch äußerst versierter Partner am Klavier, der eigene Akzente setzt, ohne sich in den Vordergrund zu spielen.

Allerdings gab es Probleme mit der Klangbalance, wenn Helmchen an exponierten Stellen seinem interpretatorischen Impetus freien Lauf ließ. Vielleicht ist dies auch ein Problem der Akustik des Krönungssaales. Das völlig begeisterte Publikum entließ die beiden nicht ohne Zugabe: dem bewegend schön gespielten langsamen Satz aus der dritten Violinsonate von Johannes Brahms.