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Pulheim: Abtei Brauweiler: Gefängnis, Psychiatrie und nun ein beschaulicher Ort

Pulheim : Abtei Brauweiler: Gefängnis, Psychiatrie und nun ein beschaulicher Ort

Ein bisschen Ruhe tanken und der Hektik des Alltags entfliehen. Wer das will und zu einem Tagesausflug bereit ist, der ist mit der Abtei Brauweiler gut beraten. Die ehemalige Benediktinerabtei ist eine der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Klosteranlagen und gehört zu den bedeutenden Kulturgütern des Rheinlandes.

Zwar leben dort keine Mönche mehr, aber die Ruhe und Beschaulichkeit hat sich das alte Gebäude bewahrt.

Der repräsentativste Teil der Abtei ist die zweigeschossige Prälatur, deren rhythmisch gegliederten Fassade mit weiß-roter Farbgebung stark das Ortsbild prägt. Beim Hauptportal, in der Tordurchfahrt erinnert eine Inschrift von 1810 an die Einrichtung einer Bettleranstalt in den Abteigebäuden.

700 Jahre, von 1024 bis 1780, hatte das Kloster bestanden als die Säkularisierung durch die Franzosen erfolgte und die Mönchgemeinschaft vertrieben wurde. Dann war es vorbei mit dem friedlichen und idyllischen Leben. Zuerst Bettler- und Arbeitsanstalt, dann in der Nazi-Diktatur Gestapogefängnis - prominentester Gefangener für einige Monate war Konrad Adenauer - und ab 1969 Fachklinik für Psychiatrie. Von dieser Zweckentfremdung ist heute nichts mehr zu spüren, denn der Landschaftsverband des Rheinlandes hat die historischen Gebäude sorgfältig restauriert.

Die Abteihöfe - Prälatur- und Marienhof - dokumentieren auf ihre Weise die unterschiedlichsten Nutzungen, die vorherrschten. Besonders schön und anmutig wirkt der Marien- oder Kreuzganghof mit der Steinstatue der Madonna auf hohem Sockel in der Mitte des Hofes. Am Ende der Wandelganges öffnen sich einzelne verglaste, früher offene Arkaden, die zu dem Kapitelsaal führen. Die seltenen romanischen Gewölbemalereien des Saales, im Rheinland einzigartig, konnten vor dem endgültigen Verfall in letzter Sekunde gerettet werden.

Auch das Raumbild der Abtei-Kirche mit einer großen barocken Vorhalle spiegelt die wechselhafte Geschichte des Klosters wider. Uneinheitlich, aber dekorativ wirkt die Fülle von Säulen und Kapitellen. Kapitel und prunkvoller Kaisersaal im Obergeschoss des Prälaturgebäudes können im Rahmen einer Führung besichtigt werden.

Hinter dem Ostchor der Kirche breitet sich heute der „Abteipark” aus mit großen stämmigen Kastanienbäumen und Trauerweiden. Mittendrin steht ein Maulbeerbaum. Nach der Legende soll die Stifterin des Klosters, Pfalzgräfin Mathilde um das Jahr 1024 im Schatten des Baumes die Vision zur Gründung der Abtei erhalten haben. Einige der Gebäude, die erst im 19. Jahrhundert auf dem Gelände entstanden wie Frauenhaus, Anstaltslazarett, Werkstätten und Gutshof, sind nur zum Teil noch vorhanden.

Anreise, Öffnungszeiten, Führungen

Anreise: A 4 bis Köln/West, dann A 1 bis Köln/ Lövenich, hier auf die B 55 (Aachener Straße, stadtauswärts), der Ausschilderung Pulheim/Brauweiler folgen.

Der Abteipark ist jederzeit öffentlich zugänglich, Abteihöfe sind täglich von 9 bis 16.30 Uhr geöffnet, Besichtigung kostenlos. Die ehemalige Abteikirche, heute Pfarrkirche St. Nikolaus ist nur während der Messezeiten geöffnet.

Die Räumlichkeiten der Abtei sind nur mit einer Führung und nach Absprache möglich oder zu bestimmten Terminen. Die nächsten Termine sind 22. Oktober und 12. November, jeweils um 14.30 Uhr. Weitere Informationen unter 01805 74 34 65.