Aachen: Aachener Theater bringt „mensch maschine“ auf die Bühne

Aachen : Aachener Theater bringt „mensch maschine“ auf die Bühne

Auf der hohen Kante der grob gezimmerten Guckkastenbühne, die Ähnlichkeit mit einem aufgeklappten Laptop hat, steht ein Aquarium — darin liegt ein Gehirn. Schwupps, fliegt eine Aspirin-Tablette hinein, ein Schluck Kaffee färbt sie eklig bräunlich — der Proband hat kein Kopfweh mehr, und munter wird er auch.

„mensch maschine“ ist der Titel eines Stücks, das Konstantin Küspert (36) bereits 2013 geschrieben hat. Für die Kammer des Aachener Theaters hat Marion Schneider-Bast die skurrile Versuchsanordnung zum Thema „ewiges Leben“ auf die Bühne gebracht. Sie jongliert dabei mit Realität und Utopie, mit den Vorstellungen vom entkörperlichten Bewusstsein, vom Gehirn ohne Fleisch und Blut, dessen kognitive Fähigkeiten man unbegrenzt erweitert — Unsterblichkeit eben.

Das Stück hat Biss. Wer sich mit dem Thema „Künstlich Intelligenz“ beschäftigt, weiß, dass derartige Ziele in Arbeit sind, oft im Verborgenen, wie die anfänglich gespannten Vorhänge suggerieren. Das Gerangel der Wissenschaftler prägt die bittere Satire. Die Akteure setzen das spielfreudig mit viel Tempo um. Torsten Borm (Jupiter), Tim Knapper (Ernö), Ognjen Koldzic (Pasar) und Rainer Krause (Elemer) balancieren auf dem schmalen Grat zwischen Genialität und Irrsinn.

Dabei stecken sie in einem einzigen Kittel. Vesna Hiltmann, die auch die Bühne gestaltet hat, sorgt für Kostüme wie diese „Zwangsjacke“. Benedikt Voellmy als unbedarfter „Er“, dessen Gehirn in der Nährflüssigkeit schwimmt, hat zusammen mit einer „Sie“ (Elke Borkenstein) die Aufgabe, Grusel und Komik zu verknüpfen. Gierig sind die Blicke der Wissenschaftler, ohne Gewissen. Nervosität weckt nur das stockende Computersystem.

Und dann eine Kuss, eine Tasse Kaffee, das Erlebnis, Menschen zu begegnen. Das ist für den Probanden alles „anders“, irgendwie komisch — Gefühle sind eben nicht programmierbar. Ist das Gehirn doch mehr als seine 100 Billionen Synapsen? Was ist mit Emotionen und Kreativität? Während Elke Borkenstein zur Puppe mutiert, ist „Er“ ein unbequemer Kandidat, der das Computerprogramm abstürzen lässt.

Voellmy schafft den Spagat zwischen naivem Staunen und Zweifel. Doch wie in einem Science-Fiction-Roman hängt er längst am Haken der Wissenschaft. Marion Schneider-Bast setzt den Stoff flott und unterhaltend um. Alles Theater? Nein, ein mulmiges Gefühl bleibt.

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