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Aachen: Aachener Sinfoniekonzert: Bejubelter Abend mit Mahlers „Dritter“

Aachen : Aachener Sinfoniekonzert: Bejubelter Abend mit Mahlers „Dritter“

„Sinfonie heißt mir, mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufbauen. Der immer neue und wechselnde Inhalt bestimmt sich seine Form von selbst.“ Das sagte Gustav Mahler über seine Dritte Sinfonie.

Kazem Abdullah und das riesig besetzte, in Höchstform spielende Aachener Sinfonieorchester gaben nunmehr im dritten Sonfoniekonzert den klingenden Beleg für Mahlers revolutionäre Sicht der seit Beethoven kanonisierten Orchester-Großform. Dass Abdullah sie zerstückelte durch Einlegen der Konzertpause nach dem so ausladenden wie von Kontrasten berstenden ersten Satz, war umso bedauerlicher, als die ungemein eindrucksvolle, in jeder Phase des Hundert-Minuten-Werkes packende Wiedergabe ansonsten zum Erlebnis wurde.

Dass Aachens neuer GMD sich auf Mahler versteht, bewies er bereits im Vorjahr anlässlich seiner Darstellung der komplexen Fünften Sinfonie. Die epische Breite dieser Musik, in der schmetternder Marsch, romantischer Posthorn-Zauber, Holzbläser-Kammermusik, Blech-Choräle und strömende Adagio-Feierlichkeit zu einer sinfonischen Totale zusammenfließen, kostete er mit souveräner Ruhe und in jeder Phase gespannt aus, wobei der Reichtum an dynamischen Valeurs vor allem in den unteren Stärkegraden so beeindruckend war wie die Leistung der zahlreichen Bläser-Solisten.

Nicht immer wurden sie vom gelegentlich allzu zurückgenommenen Streicherklang getragen, so etwa bei der Posthorn-Episode oder im Anfangsteil des Final-Adagios. Diese für Aachen völlig neue Piano- und Pianissimo-Kultur bei nicht nachlassender Intensität und Innenspannung feierte denn auch diesmal wieder Triumphe vor allem in den Mittelsätzen und im Adagio, wenn auch ab und an auf Kosten der Durchhörbarkeit der Linien. Aber was besagt das schon angesichts einer tief berührenden Mahler-Darstellung von gleichermaßen spieltechnischer wie gestalterisch-musikalischer Überzeugungskraft.

Marion Eckstein sang den Nietzsche-Text sehr kultiviert. Die Damen des Opernchores, des Sinfonischen Chores sowie die Kinderchöre des Theaters und Katharina-Forst blieben dem Bimbam-Jubel nichts an naiver Fröhlichkeit schuldig. Ein großartiger, zu Recht bejubelter Abend.