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Aachen: Aachener Orchester und Felix Giglberger begeistern im Eurogress

Aachen : Aachener Orchester und Felix Giglberger begeistern im Eurogress

Das als „Geigenreigen“ angekündigte zweite Sinfoniekonzert des Aachener Sinfonieorchesters hat mit einem attraktiven Programm und vor allem mit Konzertmeister Felix Giglberger als Solist eine ungewöhnlich starke Zugkraft entwickelt. Das Aachener Eurogress erwies sich als zu klein, um alle Interessenten fassen zu können.

Enttäuscht wurden die Besucher nicht. Giglberger empfahl sich als kompetenter Interpret des Violinkonzerts von Johannes Brahms. Der lyrische Grundton des Werks kam Giglbergers samtweicher Tongebung dankbar entgegen. Obwohl ihm selbst die vertracktesten spieltechnischen Anforderungen des Schlusssatzes keine Probleme bereiteten, fühlte er sich doch bei den vielen lang gezogenen Melodielinien des Werks besonders wohl.

Auch wenn sein Ton eher intim und nicht besonders groß wirkt, konnte er sich gegenüber dem meist dezent assistierenden Orchester unter der Leitung von Generalmusikdirektor Kazem Abdullah mühelos behaupten. Eine runde Sache, die das Publikum hörbar begeisterte.

Eine harte Nagelprobe

Eingerahmt wurde das Zugstück von zwei ungarischen Werken ähnlichen Kolorits, aber doch unterschiedlichen Rangs. György Ligeti zählt zwar zu den bedeutendsten Komponisten der Gegenwart. Mit seinem „Con­cert Româ­nesc“ aus dem frühen Jahre 1951 bewegte sich der vor zehn Jahren verstorbene Meister allerdings noch relativ unselbstständig auf den Pfaden Bartóks.

Das Werk bereitete die Sinfoniker immerhin auf die härtere Nagelprobe mit Béla Bartóks brillantem „Konzert für Orchester“ vor, das der Komponist einem virtuosen Spitzenorchester wie dem Boston Symphony Orchestra in die Finger geschrieben hat. Die enormen klanglichen und spieltechnischen Anforderungen meisterte das Aachener Sinfonieorchester mit Bravour. Abdullah lotete die Farbigkeit der Partitur subtil und leuchtkräftig aus; in Sachen Dynamik und Tempo setzte er auf scharfe Kontraste, die bisweilen die Grenze des Sinnvollen ankratzten.

Da musste man schon einige Reibungsverluste im Zusammenspiel und manchen kulminierenden Klangbrei in Kauf nehmen. Dafür durfte man sich an vielen solistischen Delikatessen erfreuen, mit denen vor allem die Holzbläser glänzten. Insgesamt ein hörenswerter Ausweis für das hohe Niveau des Orchesters.

Das zweite Sinfoniekonzert der Saison wird Dienstagabend um 20 Uhr im Eurogress wiederholt.