Aachener Meisterkonzerte starten mit Alena Baeva

Meisterkonzert im Eurogress: Der Auftakt macht Lust auf mehr

Die Aachener Meisterkonzerte starten vielversprechend mit der jungen russischen Geigerin Alena Baeva und der Philharmonie Zuidnederland. Aber im Eurogress bleiben viele Plätze leer.

In künstlerischer Hinsicht war der Auftakt zur wiederbelebten Reihe der Meisterkonzerte ein vielversprechender Paukenschlag. Ein riesig besetztes Orchester, die Philharmonie Zuidnederland, ein anspruchsvolles Programm mit großer Sinfonik: Das war eigentlich genau das, was sich das Meisterkonzert-Publikum in einer Befragung gewünscht hatte. Lag es an der allzu avancierten Programmfolge mit drei Werken aus dem 20. und 21. Jahrhundert, davon eines gar als deutsche Erstaufführung, dass es noch viele leere Stuhlreihen gab?

Charmante Begrüßung

Stefan Rosu, künstlerischer und organisatorischer Leiter der Philharmonie Zuidnederland, in dessen Regie die Meisterkonzert-Reihe übergegangen ist, warb in seiner charmanten Begrüßungsrede, in der er den euregionalen Aspekt der Reihe in den Blickpunkt rückte, um mehr Publikumszuspruch. Auf drei Jahre ist das Projekt erst einmal angelegt. Bis dahin muss sich auch der wirtschaftliche Erfolg eingestellt haben.

Das Konzert begann mit einem Geburtstagsständchen für den Chefdirigenten Dmitri Liss, ehe das erste Werk des Abends erklang: „Quinglong – Azure Dragon“ der ukrainischen Komponistin Olga Viktorova, der Ehefrau des Chefdirigenten. Ein virtuos instrumentiertes Orchesterstück mit Anklängen an fernöstliche Melodik und Rhythmik, eine erste Herausforderung für das Orchester, das diese Aufgabe souverän löste. Die anwesende Komponistin konnte den Beifall des Publikums persönlich entgegennehmen.

Die junge russische Geigerin Alena Baeva war die Solistin im ersten Violinkonzert von Karol Szymanowski, dem Vater der modernen polnischen Musik. Mit samtweichem Ton, der sich auch gegen das groß besetzte Orchester immer durchsetzen konnte, unfehlbarer Intonation und Technik, interpretierte sie ihren Solopart in nahtlosem Zusammenspiel mit dem bestens aufgelegten, in impressionistischen Farben schillernden Orchester.

Bei der Zugabe von Eugène Ysaye konnte Alena Baeva einen weiteren hochvirtuosen Glanzpunkt setzen. Wohl bei keinem anderen Komponisten in der Musikliteratur bedingen sich Leben und Werk so sehr wie bei Dmitri Schostakowitsch. Dafür ist seine 10. Sinfonie in ihrer geradezu tragischen Grundhaltung ein höchst eindrucksvolles Beispiel. Der grelle und brutale zweite Satz ist nach Schostakowitschs eigenen Aussagen ein Porträt seines Peinigers Josef Stalin, dem er im dritten Satz und im hysterisch fröhlichen Finale das Motiv mit seinen eigenen Initialen entgegenstellt.

Das ausladende, riesig besetzte Werk stellt an Orchester wie Dirigenten allerhöchste Anforderungen, die von der Philharmonie Zuidnederland in allen Instrumentengruppen in höchst brillanter Weise gemeistert wurden. Dmitri Liss gelang eine eindrucksvolle und stimmige Wiedergabe, die seine Vertrautheit mit dem Werk seines Landsmannes unterstrich und die selbst die äußersten klanglichen Eruptionen dermaßen bändigte, dass das Eurogress mit seiner problematischen Akustik nicht gänzlich aus den Fugen geriet.

Ein Auftakt, der Lust auf weiteres macht.

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