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Aachen: Aachener Kunstverein zeigt Kubaner Hernandez

Aachen : Aachener Kunstverein zeigt Kubaner Hernandez

1991 macht der Kubaner Diango Hernández in einem Kino in Havanna eine Erfahrung, die sein Leben verändern soll. Während der Vorführung landet ein konspiratives Notizbuch auf seinem Schoß - mit 15.000 Unterschriften von Unzufriedenen.

Ausreichend, um das verfassungsmäßig verbriefte Recht, eine demokratische Partei zu gründen umzusetzen. Doch die Castro-Anhänger bekommen Wind davon und vereiteln das Vorhaben mit Gewalt...

Poetisch schildert Hernandez das Kino-Erlebnis in einer Erzählung - und die Erfahrung, wie aus einem visionären Traum ein Albtraum und Freiheit zu einem Fremdwort wurde. In seinen Werken beschäftigt sich der 37-jährige, in Düsseldorf lebende Künstler weiter mit diesem Thema und den gesellschaftlichen und sozialen Bedingungen seiner vom Rest der Welt isolierten Heimat. Der Neue Aachener Kunstverein (NAK) präsentiert in seiner neuen Ausstellung Zeichnungen und zwei raumfüllende Installationen.

„Swans without a lake” (Schwäne ohne See) nennt Hernández ein wassergefüllte Becken aus Stahlblechen, in denen Buchstabentasten von Schreibmaschinen schwimmen - zum Teil mit kyrrilischen, russischen Buchstaben. Ein poetisches Bild von versunkenen, vergessenen und versprochenen Träumen stellt sich ein und die Erinnerung an jene „Wunschbrunnen”, in die Menschen Münzen werfen...

Wie der abgeblätterte Putz der Häuser in Havanna wirkt eine Wand aus weißen Kartons gegenüber der Installation „Schwäne ohne See”, deren Titel daran erinnert, dass von den einstigen Utopien nur Luftschlösser geblieben sind.

Die konspirative Kinosituation von damals findet sich auf der ersten Etage des NAK wieder: mit reihenweise angeordneten Stühlen aus rostigen Moniereisen und abgerissenen Lautsprechern. Auf der Leinwand läuft eine kaleidoskopartige Diaschau mit kubanischem Schulmatierial zur Geschichte der Sowjetunion.