Broichweiden: Aachener Künstler Franz Buchholz wird 70

Broichweiden : Aachener Künstler Franz Buchholz wird 70

Papierblätter an der Wäscheleine sprechen Verse von Goethe, Heine, Ringelnatz; Paganinis 12. Sonate erklingt aus einem Notenheft; weiße Bällchen tanzen im Rhythmus der Musik; eine pendelnde Kugel verströmt Klänge im ganzen Raum - wenn Kunst verblüffen und sogar Spaß machen kann, dann sind es die wahrlich wunderlichen Werke des Franz Buchholz.

In mehr als vierzig Jahren hat er unzählige Objekte geschaffen, die ihr Geheimnis meist erst preisgeben, wenn der Kunstfreund im wahrsten Sinne des Wortes Hand anlegt: Schalter drückt, Knöpfchen dreht oder einfach nur behutsam tastet. Heute wird der Aachener Künstler 70 Jahre alt.

Den runden Geburtstag nimmt er zum Anlass, sein ganzes Oeuvre auszubreiten und eine kaum zu zählende Menge an Werken in seinem Atelier in Broichweiden auf sage und schreibe 600 Quadratmetern zu präsentieren. Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 22. April, von 12 bis 19 Uhr (Helleter Feldchen 64).

Kinetische und akustische Objekte sind seine Spezialität, Elek-tronik ist sein Metier. Als langjähriger Mitarbeiter am RWTH-Institut für Akustik hat er gewissermaßen Geschichte geschrieben: Den berühmten „Kunstkopf”, der als Aufnahmetechnik auf der ganzen Welt verbreitet ist, hat Franz Buchholz mit entwickelt - die äußerliche Gestaltung stammt aus seiner Hand.

1973 erfolgt das Schlüsselereignis: In einer ersten Einzelausstellung, im Stadttheater Aachen, präsentiert Buchholz einem verblüfften Publikum sein erstes bewegliches und akustisches Objekt - mit überragendem Erfolg. Ab jetzt bilden Technik, Physik und Elektronik die tragenden Säulen seiner Kunst. Und so beweisen blankpolierte Kugeln ein atemberaubendes Eigenleben, wenn sie beim Rollen auf einem Spiegel scheinbar selbstgewählten Bahnen folgen und im Moment des Aufeinanderprallens eine metallische Musik verströmen.

Was diesem elektronischen Hexenmeister nicht alles eingefallen ist - Kunst als Spiel, Anklage und hintergründige Mahnung; das Spektrum der Themen und Anliegen könnte breiter nicht sein. Mitunter saß ihm beim komplizierten Bau der Objekte buchstäblich der Schalk im Nacken - so mancher kritische Impetus bekommt durch eine gute Portion Humor eine ganz neue Wendung.

„Demagogen” heißt zum Beispiel eine erst jüngst entstandene Klangsäule mit zehn übereinander angeordneten Gebissen, die auf- und zuklappen, wenn gleichzeitig ertönt, was unsere lieben Politiker bei der letzten Wahl so alles an verbalem Unsinn produziert haben.

Ganze Abende lang hat Buchholz das Gerede von Schröder und Konsorten vor dem Fernseher aufgenommen und die reich eingefahrene Nonsens-Ernte in sein kinetisch-akustisches Objekt eingebaut. Beispiel: „Wir werden unser Land, Deutschland, Stück für Stück wieder zukunftsfester machen.” Bei Franz Buchholz´ Kunst darf durchaus gelacht werden...

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