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Aachen: Aachener Bildhauer Stirnberg wird 75 Jahre alt

Aachen : Aachener Bildhauer Stirnberg wird 75 Jahre alt

Sein Puppenbrunnen im Schatten des Aachener Doms hat eine ganze Welle ausgelöst: Seit 1975 ist es für Bonifatius Stirnberg geradezu eine Lebensaufgabe geworden, Dörfer und Städte zwischen Flensburg und Berchtesgaden mit seinen Brunnen auszustatten. Diesen Mittwoch wird der in Aachen lebende Bildhauer aus dem Sauerland 75 Jahre alt.

Bis nach Santa Barbara an der Westküste der USA reicht der Ruf des legendären Puppenbrunnens - die Kalifornier bestellten ein ähnliches Objekt.

Der Meister hat seither keine Scheu, auch noch das lieblichste Motiv in Bronze zu gießen - sei es das Kinderfest in Leutkirch, ein Bauer in Wesel, geschmückte Almenkühe im Allgäu, Heilige neben der Autobahnkapelle auf dem Winterberg bei Leutkirch, ein Quellstein in Prummern, Münchhausen in Bodenwerder, ein Marktbrunnen in Glauchau in Sachsen, ein Sagenbrunnen in Jever, Wäscherinnen in Paderborn, aber auch ein Kirchenportal in Korschenbroich und ein Altarkreuz auf Sardinien - die Reihe ließe sich beinahe endlos fortsetzen.

Legenden, Sagen und die Historie - aus ihnen schöpft Stirnberg die Motive seiner Brünnchen. Und kommt damit offenbar einem urdeutschen bürgerlichen Bedürfnis entgegen, ein Stück Selbstverständnis in harmlos heiteren, spielerisch anmutenden Objekten wiederzufinden. Stirnberg bedient derlei Wünsche mit Erfolg.

Sein Lehrer: Beuys

Was wohl sein einstiger Lehrer aus den Sechzigern an der Düsseldorfer Kunstakademie dazu sagen würde? Der propagierte einst mit Fett und Filz ein ganz anderes ästhetischen Verständnis - kein Geringerer als Joseph Beuys. Und im plastischen Werk von Pablo Picasso fand der junge Stirnberg die entscheidende Inspiration - allerdings zu einem Weg, von dem man wirklich sagen kann: Der Mann hat sich von seinen Übervätern abgenabelt!

„Ein bisschen volksnah” empfindet sich Stirnberg selbst und hat kein Problem damit, schließlich besitzt er das Gemüt eines durch und durch freundlichen Menschen - der allerdings mitunter dann doch keinen Spaß versteht: Mit der Stadt Aachen liegt er derzeit im Clinch, weil sie den beiden Architekten, die für die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes verantwortlich waren, erlaubt hat, seine Bronzepferdegruppe im Zuge des Umbaus um einige Meter zu versetzen. Der Künstler sieht darin nun seine Urheberrechte verletzt. Der Streit soll vor Gericht ausgefochten werden...