Aachener Bachtage: Chorkonzert auf beeindruckendem Niveau

Aachener Bachtage : Ein Chorkonzert auf beeindruckendem Niveau

Werke von Carl Philipp Emanuel Bach und Joseph Haydn stellen bei den Aachener Bachtagen hohe Anforderungen. Aber die Sänger und Instrumentalisten zeigen eine imposante Leistung.

Mit Carl Philipp Emanuel Bachs Magnificat und Joseph Haydns sogenannter Schöpfungsmesse mutete sich der Aachener Bachverein im zweiten Chorkonzert der Bachtage nach Verdis Requiem zwei weitere dicke Brocken des Repertoires zu. Dick, was Anspruch und Länge angeht, nicht aber den Klang oder die gestalterische Agilität. Beide Werke verlangen trotz stattlicher Besetzung und prachtvoller Chorsätze nach frischer Elastizität und klanglicher Transparenz.

Dass sich Kantor Georg Hage derartiger Anforderungen bewusst ist, stellte er gleich mit dem beeindruckend rasant angegangenen Eingangschor des Magnificats klar, einem von großem Ehrgeiz getragenen Werk des erfolgreichen Sohnes, das das heute berühmtere Magnificat seines Vaters an Ausdehnung noch überragt. Dass arcipelago, das bewährte Ensemble für Alte Musik, das Tempo des Dirigenten erfreulich souverän aufgreifen konnte, belegt erneut das hohe Spielniveau des Orchesters. Das ist auch nötig, denn sowohl Carl Philipp Emanuel Bach als auch Joseph Haydn, beide gewieft-geniale Kenner und Könner auf dem Parkett der Orchestermusik, fordern den Instrumentalisten Höchstleistungen ab. Wenn es in der voll besetzten Kirche St. Michael zu geringen Wackelkontakten zwischen Sängern und Orchester gekommen ist, fallen derart kleine Schlieren angesichts der imposanten Gesamtleistung so gut wie nicht ins Gewicht.

Homogenes Solisten-Quartett

Die starke Dominanz der Arien im Magnificat führt Peter Wollny im Programmheft zu dem zutreffenden Schluss, dass sich der Bach-Sohn offenbar stärker an der h-Moll-Messe des Vaters orientiert habe als an dessen Magnificat. Und damit trug Hages Fingerspitzengefühl bei der Besetzung der Solisten auch diesmal wesentlich zum runden Gesamteindruck der Interpretation bei.

Gabriele Hierdeis konnte mit ihrem nach wie vor glockenklaren Sopran ebenso überzeugen wie die mit großer, aber kultivierter und von dunkler Glut getragenen Stimme auftrumpfende Altistin Marion Eckstein. Dass sich der ebenso helle wie biegsame Tenor von Joachim Streckfuß und der markante Bass von Simon Schnorr homogen einfügten, kam nicht nur den solistischen Beiträgen im Magnificat zugute, sondern besonders deutlich in den Ensemblesätzen der Haydn-Messe.

BachVokal, besser bekannt unter der alten Bezeichnung „Kammerchor Aachener Bachverein“, zeigte sich erneut in Sachen Intonation, Präzision, Beweglichkeit und Stilsicherheit bestens geschult. Und selbst das oft kritische Missverhältnis zwischen quantitativ massiven Frauen- und dünner besetzten Männerstimmen spielte keine Rolle. Mit diesen Qualitäten bewältigte der Chor auch die komplexesten Chorfiguren, mit denen beide Komponisten eindrucksvoll belegen, was sie vom „großen“ Bach gelernt haben.

Lang anhaltender Beifall für ein Chorkonzert auf beeindruckendem Niveau.