Aachen: Aachen sucht den GMD: Das Finale um Kazem Abdullahs Nachfolge

Aachen: Aachen sucht den GMD: Das Finale um Kazem Abdullahs Nachfolge

Im Januar werden die Würfel fallen. Dann entscheidet die Findungskommission endgültig über die Besetzung der vakanten Position des Aachener Generalmusikdirektors. Die aus Kultur- und Politik-Vertretern zusammengesetzte Kommission hat sich jetzt auf drei Kandidaten geeinigt, die sich bis zum Jahresende jeweils mit einem Sinfoniekonzert und einer Aufführung von Janáeks Oper „Kátia Kabanová“ dem Publikum vorstellen werden.

Die Konzerte werden außerhalb des Abonnements angeboten. Von den ursprünglich 80 Bewerbern bekamen bereits zehn im Juni die Gelegenheit, im Orchesterprobenraum eine Probe mit den Aachener Sinfonikern zu absolvieren. Daraus filterte die Kommission die drei verbliebenen Kandidaten aus, die trotz ihrer jungen Jahre schon internationale Erfahrungen mitbringen, allerdings in der rheinischen Region bis heute kaum oder gar nicht in Erscheinung getreten sind. Man darf gespannt sein.

Kapellmeister in Berlin

Kandidat 1: Als Erster wird am 21. Oktober Ido Arad ans Pult treten und mit Beethovens „Pastorale“ seine Visitenkarte abgeben. Ido Arad wurde in Florida geboren, wuchs aber in Israel auf und studierte an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf und vor allem an der Universität der Künste in Berlin.

Seit einem Jahr ist er Kapellmeister und Assistent von Donald Runnicles, dem Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin. Vorher war er bereits am Mittelsächsischen Theater Freiberg und dem Stadttheater Bremerhaven tätig. In dieser Spielzeit wird Ido Arad mit einer Vorstellungsserie von Mozarts „Figaro“ an der Semperoper Dresden debütieren.

Kandidat 2: Aus London stammt der 1980 geborene Dirigent Christopher Ward, der bereits in der Region aufgetreten ist und zwar mit einigen Aufführungen von Verdis „Traviata“ an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf/Duisburg. Der in Oxford und Glasgow ausgebildete Dirigent stellt Tschaikowskys „Nussknacker-Suite“ ins Zentrum seines Konzerts am 17. Dezember, wobei Tschaikowsky nicht nur im Original, sondern auch im Gewand Duke Ellingtons erklingen wird.

Wie sein israelischer Kollege wirkte Ward bisher hauptsächlich in Deutschland. Und zwar am Staatstheater Kassel sowie als Assistent von Simon Rattle bei den Berliner Philharmonikern und von Kent Nagano an der Bayerischen Staatsoper in München. 2014 wurde er Erster Kapellmeister am Saarländischen Staatstheater. In dieser Saison folgen Debüts am Nationaltheater Prag und am Theater Bremen.

Studium in Malmö

Kandidat 3: Der Wirkungskreis des Schweden Per-Otto Johansson beschränkte sich bisher fast ausschließlich auf sein Heimatland und Dänemark. Dort allerdings mit nahezu allen führenden Orchestern. Sergej Rachmaninows „Sinfonische Tänze“ bilden den Höhepunkt seines Bewerbungskonzerts am 20. Dezember. Johansson studierte in Malmö und Kopenhagen und fand in Leif Segerstam und Esa-Pekka Salonen berufene Mentoren.

2007 debütierte er an der Königlichen Oper Stockholm, es folgten Debüts an der Dänischen Nationaloper und beim schwedischen Nationalorchester von Göteborg. In unserer Region ist er in den letzten Jahren als Gastdirigent der „Opera Zuid“ in Maastricht in Erscheinung getreten.

Das Aachener Publikum ist eingeladen, die Auftritte der jungen Dirigenten aufmerksam zu verfolgen. Gefordert werden, laut dem Anforderungsprofil der Findungskommission, Fähigkeiten, die geradezu illusorisch hoch angesetzt sind. Restlos erfüllen dürfte sie kaum jemand. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre eine kleine Empfehlung: Neben der fachlichen Kompetenz sollte diesmal besonders sorgsam auf die richtige Chemie zwischen Kandidat und Orchester geachtet werden.