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Aachen: 80 Takte für 80 Lebensjahre

Aachen : 80 Takte für 80 Lebensjahre

Im vergangenen Jahr wurde Professor Wolfgang Trommer, Aachens Generalmusikdirektor von 1962 bis 1974, 80 Jahre alt. Am Sonntag reichte ihm die Musikdirektion eine Geburtstagsgabe in Form einer Konzertmatinee nach.

Und viele, viele kamen in den Spiegelsaal des Theaters: Schüler, Kollegen, Orchestermusiker und treue Konzertbesucher, die sich noch daran erinnern, wie Trommer seinerzeit das Orchester aus einem vorübergehenden Tief auf ein vorbildliches Spielniveau angehoben hat.

Der Musikkritiker Alfred Beaujean verglich in seiner Laudatio Trommers Wirken für das städtische Musikleben mit dem Einsatz von Marcus R. Bosch, der mit seinem Amtsantritt einen ähnlichen Neuanfang mit großer Energie und Effektivität gestartet habe.

Bosch, der heutige GMD, ließ es sich nicht nehmen, Trommer, der das Aachener Musikleben bis heute stets aufmerksam verfolgt, mit eigenen Beiträgen zu beschenken. So spielte er zusammen mit dessen Kompositionsschüler Andreas Staffel eine Fassung für zwei Klaviere des „Prélude à l´après midi d´un faune” von Trommers besonders geschätztem Favoriten Claude Debussy.

Und am Ende der zweistündigen Matinee dirigierte Bosch auch noch die Uraufführung von Wilfried Maria Danners „un camino - come un fanfarria...” für Kammerensemble. Eine formal klar strukturierte, vor allem durch ihre klangliche Raffinesse für sich einnehmende Geburtstagsgirlande.

Nicht die einzige: Auch Andreas Staffel widmete die Uraufführung des „Canto Capriccioso” für Kammerensemble und Bandura ebenfalls seinem Lehrer. Eine 80-taktige Verbeugung mit Zitaten, Anagrammen und anderen Verweisen auf das Geburtstagkind. Staffel augenzwinkernd: „Wenn es um das gefühlte Alter Trommers ginge, müsste das Werk erheblich kürzer als 80 Takte dauern.”

Zwei weitere Kompositionsschüler waren zur Stelle. Michael Schramm führte sachkundig durch das Programm, und von Alfredo Rugeles war ein Klavierstück zu hören. Über den Venezolaner knüpfte Trommer enge Kontakte zur pulsierenden Musikszene des südamerikanischen Landes. Bereits viermal gab er Kurse für junge Dirigenten in Venezuela.

Auch wenn Trommer im Laufe seines langen Wirkens das Repertoire rauf und runter dirigiert hat, spielte Richard Strauss Oper „Ariadne auf Naxos” eine besondere Rolle in seiner Karriere. Daran erinnerte die Sopranistin Carla Maffioletti mit der Bravour-Arie der Zerbinetta, bei der es sich Trommer nicht nehmen ließ, die Sängerin selbst am Klavier zu begleiten.

Ebenso wenig wie zum Auftakt des Programms, das mit einer „Jugendsünde” des komponierenden Dirigenten begann. „Begegnung”, ein Lied des 17-Jährigen nach einem Text von Mörike, stilistisch stark von Hugo Wolf geprägt und eindrucksvoll von der Mezzosopranistin Olga Caspruk gesungen, die auch in Staffels „Canto Capriccioso” die Bandura zupfte.

Trommer war sichtlich gerührt, nicht zuletzt vom Einsatz der vielen Musiker des Sinfonieorchesters, und sprach sich abschließend für den Bau eines Musikhauses aus, das der reichen musikalischen Tradition Aachens würdig sei.