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Aachen: 8. Sinfoniekonzert begeistert mit „Klezmer in der Sommernacht”

Aachen : 8. Sinfoniekonzert begeistert mit „Klezmer in der Sommernacht”

Mit antizyklischem „Aufbruch”-Charakter, gegen den Trend von Depression und Wehklagen, hatte die Jubiläumsspielzeit des Sinfonieorchesters Aachen begonnen.

Und der Aufbruch in ein neues Musikverständnis, das Grenzen aufhebt, ohne Traditionen zu verwässern, ist gelungen.

Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch kann auf eine erfolgreiche, erste Saison in Aachen zurückblicken, die beim 8. Sinfoniekonzert im Eurogress mit „Klezmer in der Sommernacht” einen krönenden Abschluss erfuhr.

Felix Mendelssohn-Bartholdys Musik zu Shakespeares „Ein Sommernachtstraum” ist ein zeitlos genialer Volltreffer des damals 17-jährigen Komponisten, der die märchenhafte Atmosphäre zwischen Spuk und Wirklichkeit mit spielerisch leichtem Zauber einfängt.

In diesem Stil interpretierte Marcus R. Bosch die fünf populärsten Ausschnitte des Werkes: jung und spritzig, entschlackt und schlank.

Das Orchester folgte dem klaren Dirigat technisch blitzsauber und homogen kooperierend: Puck spukte in den flirrenden Geigenläufen des Scherzo mit Witz und Bosheit, schlichte „Waldesruh” verströmten die weich intonierenden Hörner, und im „Hochzeitsmarsch” wurde pompöses Pathos elegant vermieden - ein wohltuendes Fest für die Ohren.

Solistische Kostbarkeit von Ernest Bloch

Alexis Vincent, 1. Konzertmeister des Sinfonieorchesters, nahm sich mit seiner Matteo-Goffriller-Violine einer solistischen Kostbarkeit an. Ernest Bloch sagte über sein 1939 für Violine und Orchester instrumentiertes Werk „Baal Shem”, er „habe nur einer inneren Stimme gelauscht, (. . .) die von sehr weit zu kommen schien” und charakterisierte damit sein Verhältnis zur hebräischen Musik.

In gleicher Weise entführte Alexis Vincent das Publikum mit fokussiertem Strich und innig seufzendem Vibrato in die melancholische Welt der osteuropäischen Chassidim. Nur in wenigen Tutti-Einsätzen des „Simchas Torah” überdeckte das Orchester gelegentlich sein virtuoses Geigenspiel.

Als Zugabe verwöhnte Vincent die Zuhörer mit einer ruhigen Präsentation von Johann Sebastian Bachs Andante in a-moll. Das musikalische Feuerwerk nach der Pause zündete einfach „un-glaub-lich”!

The World Quintett aus der Schweiz, eine Weltklasse-Künstlerformation aus Piano, Kontrabass, Klarinette, Querflöte und Schlagzeug, eroberte die Sympathien des Publikums im Sturm mit ihrer ganz spezifischen Jazz-Klezmer-Musik.

Mitreißende jiddische Tanzmelodien in Solovariationen oder in gemeinsamen Arrangements mit dem Orchester sprühten vor Temperament und ansteckender Lebensfreude - tosender Applaus nach jeder Darbietung, doch auch sekundenlange Stille nach dem zutiefst anrührenden Stück „Vergebung”.

Ein beglückender Abend, der Neugierde weckt auf die kommende Saison und dazu ermutigt, dem Förderverein „accelerando” beizutreten.

Der Drummer David Klein brachte das Fazit für die gesamte Spielzeit auf den Punkt: „Euer Orchester und Marcus Bosch - da könnt ihr euch redlich zu gratulieren!”