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67-jähriger Olympiateilnehmer bereitet sich in Aachen auf China vor

67-jähriger Olympiateilnehmer bereitet sich in Aachen auf China vor

Aachen. Wenn in China am 8. August die Olympischen Spiele beginnen, treten nicht nur junge Athleten an: Auch der 67-jährige Hiroshi Hoketsu hat sich für die Wettbewerbe qualifiziert. Der japanische Dressurreiter bereitet sich derzeit in Aachen auf seine zweite Teilnahme nach 44 Jahren Olympia-Pause vor.

Seit einem Jahr trainiert Hoketsu für die Olympischen Spiele und nimmt dafür regelmäßig an internationalen Wettbewerben teil. „Beim Dressurreiten ist es wichtig, bei den Juroren auf Turnieren ein positives Image zu bekommen”, erklärt Hoketsu. Nur so könne man auch bei den Olympischen Spielen erfolgreich sein.

Für die Teamwettbewerbe hat sich Hoketsu gemeinsam mit zwei weiteren japanischen Reitern bereits qualifiziert. Um auch an den Einzelwettkämpfen teilnehmen zu können, muss sich Hoketsu als bester Dressurreiter gegen Konkurrenten aus Asien und Afrika durchsetzen. „Wenn es auf den Turnieren weiter so gut läuft, kann ich mit der Qualifikation rechnen”, sagt Hoketsu.

Der Japaner war bereits 1964 Olympionik - allerdings als Springreiter. „Damals war ich ein junger 23-jähriger Mann, der einfach nur teilnehmen wollte. Das ist mit den Wettbewerben in China nicht zu vergleichen”, sagt der aller Voraussicht nach älteste Teilnehmer der diesjährigen Spiele. Der 67-Jährige gilt als bester japanischer Dressurreiter und hofft, mindestens bis ins Halbfinale vorzustoßen.

Als der Geschäftsmann mit 62 Jahren pensioniert wurde, überlegte er sich, wie er seine Zukunft gestalten könnte. Der Japaner entdeckte sein jetziges Pferd Whisper und erwarb es von der Olympiasiegerin Alexandra Simons de Ridder. „Für das Pferd war es das Beste, in Deutschland zu bleiben”, sagt Hoketsu. Zudem sei ein Umzug nach Europa nötig gewesen, um im internationalen Dressursport mithalten zu können.

Neben dem Japaner gibt es vor allem viele deutsche Staatsbürger, die sich in Nordrhein-Westfalen auf eine mögliche Olympiateilnahme vorbereiten. In dem Bundesland trainieren derzeit rund 100 deutsche Sportler für die Teilnahme an olympischen Einzelwettbewerben. Die Nominierung der deutschen Mannschaft findet Ende Mai statt. Der Deutsche Olympische Sportbund rechnet damit, dass insgesamt rund 450 deutsche Athleten nach Peking fahren werden.

Auch wenn Hoketsu eine Teilnahme sicher ist, weiß er aus Erfahrung, dass der Traum von Olympia sehr schnell beendet sein kann. „Es kann immer noch etwas Unvorhergesehenes dazwischenkommen”, sagt Hoketsu. So wie 1988: Wegen strenger Quarantänevorschriften hätte sein Pferd nach den Spielen im südkoreanischen Seoul nicht zurück nach Japan transportiert werden dürfen.

Erst 24 Stunden vor dem Wettbewerb bot man ihm ein Ersatzpferd an. Daher verzichtete er auf eine Teilnahme - genau wie 2004 bei den Spielen in Athen. Weil er mit seinem neuen Pferd Whisper seiner Ansicht noch nicht ausreichend vertraut war, begrub er seine olympischen Pläne erneut.

Bei den Olympischen Spielen in China könnte eine zweite Teilnahme nach 44 Jahren Pause Realität werden. Von der Politik Chinas will Hoketsu sein olympisches Mitwirken nicht abhängig machen: „Ich sehe mich selbst als unpolitischen Sportler. Über die Vorgänge in Tibet bin ich nur über die Medien informiert, so dass ich mir kein eigenes Urteil erlaube.”

Neben seinem täglichen Training wird sich Hoketsu bis August wohl auch Zeit für Journalisten nehmen müssen: Nicht nur japanische Medien interessieren sich für den aktiven Rentner - selbst ein brasilianisches Fernsehteam war schon in Aachen zu Gast. Doch Hoketsu hat die Journalisten längst durchschaut: „Das liegt wohl einzig und allein an meinem Alter.”