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Berlin/Aachen: 500 Euro pro Semester: „zweitbeste Lösung”

Berlin/Aachen : 500 Euro pro Semester: „zweitbeste Lösung”

RWTH-Rektor Burkhard Rauhut nennt die Empfehlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), dass die Universitäten die Möglichkeit erhalten sollen, Studiengebühren zu erheben, „allenfalls die zweitbeste Lösung”. Besser wäre es, „wenn der Staat zahlt”.

Nach Ansicht der HRK ist die langfristige Sicherung der Qualität des Lehrangebots nur mit Gebühren möglich. Die Rektoren empfahlen am Mittwoch für eine Eingangsphase Beiträge mit einer Obergrenze von etwa 500 Euro pro Semester. In einer zweiten Phase sollen die Gebühren von den Unis innerhalb eines vom Staat vorgeschriebenen Korridors selbstständig festegelegt werden. Parallel müsste es auch ein „funktionierendes System staatlicher Stipendien” oder eine Kreditsicherung geben. Die Rektoren betonten zugleich, dass der Staat nicht aus seiner Verantwortung entlassen werden dürfe.

Rauhut: „Auch jetzt noch Bedenken”

Rauhut, der auch der für Hochschulfinanzierung zuständigen Arbeitsgruppe der HRK angehört, hatte sich in der Vergangenheit stets skeptisch zu Gebühren geäußert. Er habe „auch jetzt noch Bedenken”, sagte er unserer Zeitung. Doch seien Studiengebühren dann sinnvoll, wenn damit die Betreuung der Studenten verbessert werden könnte. Der jetzige Missstand müsse auf jeden Fall behoben werden. Die Einführung von Gebühren dürfe aber nicht dazu führen, dass „bildungsferne Schichten” vom Studium abgehalten würden.

Seine „schlimmsten Befürchtungen” sieht hingegen der AStA der RWTH sogar noch übertroffen. Sprecher Daniel Houben: „Zwei Drittel der Studierenden müssen jetzt schon zusätzlich zu ihrem Studium arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Dazu noch Studiengebühren von 500 Euro pro Semester können sich viele von uns nicht leisten.”

NRW will indes am Studienkontenmodell festhalten, das ein Erststudium ohne Gebühren ermöglicht. „Wir halten das für das bessere Modell”, sagte Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft (SPD). Allerdings könne eine neue Lage entstehen, wenn das Bundesverfassungsgericht über die Zulässigkeit von Studiengebühren entschieden hat. Das Urteil zur Klage von sechs CDU-geführten Bundesländern gegen das Verbot von Studiengebühren im Hochschulrahmengesetz wird für den Herbst erwartet.