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Bad Neuenahr-Ahrweiler: 45.000 Besucher im ehemaligen Regierungsbunker

Bad Neuenahr-Ahrweiler : 45.000 Besucher im ehemaligen Regierungsbunker

Rund ein halbes Jahr nach seiner Eröffnung als Museum übertrifft der einstige Atomschutzbunker der Bundesregierung bei Bad Neuenahr-Ahrweiler alle Besuchererwartungen.

Bislang hätten sich rund 45.000 Menschen vor Ort über den Bunker informiert, teilte die Dokumentationsstätte am Donnerstag in Bad Neuenahr-Ahrweiler mit. „Für den Monat September mussten wir bei den Anmeldungen einen Stopp einlegen”, sagte der Vorsitzende des Heimatvereins Alt-Ahrweiler, Wilbert Herschbach. Der Verein ist Träger der Dokumentationsstätte und perplex über die Besucherzahlen: „Mit einem solchen Ansturm war nicht zu rechnen.”

Aus ganz Deutschland, Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Luxemburg reisten die Besucher an. Auch seien schon Gruppen aus Indien, Japan und Russland in dem außergewöhnlichen Bauwerk begrüßt worden. Frühere DDR-Spione seien unter den Gästen gewesen und hätten mit ihren richtigen Vor- und Zunamen im Gästebuch unterschrieben.

Rund 40 Gästeführer begleiten die Besucher in einer rund einstündigen Tour durch den Bunker. Unter ihnen sind ehemalige Mitarbeiter der Bunkerstadt, das einst auch „Gasthaus zum letzten Stündlein” genannt wurde. Früher war der Bunker streng geheim - die Beschäftigten durften selbst ihren engsten Familienangehörigen nichts erzählen. Heute plaudern sie als Gästeführer bereitwillig aus dem Nähkästchen.

Auch ein russischer Staatsminister sei schon unter den Gästen gewesen. Er habe sich umgesehen und anschließend „im konspirativen Flüsterton” gefragt, ob und wie man wohl an die Baupläne des Bunkers rankomme, was zu einem herzhaften Lachen der russischen Besucher und deutschen Gastgeber gleichermaßen geführt habe.

Im Kalten Krieg galten die Sowjets noch als der Hauptfeind. Bei einem Atomschlag sollte der Bunker der Bundesregierung und dem Bundespräsidenten mit rund 3000 Mitarbeitern als Ausweichquartier dienen. Zum Einsatz kam der Bunker aber nie. Der Großteil wurde nach dem Ende des Kalten Krieges für rund 16 Millionen Euro abgerissen.

Das bis zu 19 Kilometer lange Tunnellabyrinth war von 1960 bis 1972 etwa 30 Kilometer südlich der damaligen Bundeshauptstadt Bonn errichtet worden. Die Eingänge lagen versteckt unter malerischen Weinbergen. Dort, wo früher ein Hubschrauber hätte landen können, parken die Besucher seit der Museumseröffnung am 28. Februar 2008 ihre Autos.

Aus Sicherheitsgründen müssen sich Gäste einer Führung anschließen, wenn sie in dem nur noch 200 Meter langen Reststollen Einblicke in das Innenleben des Bunkers erhalten wollen. Gezeigt werden unter anderem ehemalige Sanitäranlagen, technische Einrichtungen sowie Büros und Reste der einstigen Krankenstation der Bunkerstadt.