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Mettmann: 40.000 Jahre alte Zähne wieder da

Mettmann : 40.000 Jahre alte Zähne wieder da

Eine schöne Oster-Überraschung erlebte das Neanderthal-Museum bei Mettmann im Rheinland. Zwei Zähne des Neandertalers, die unbekannte Täter Ende März aus dem Museum gestohlen hatten, sind wieder da.

Eine Sekretärin des Museums hatte die beiden Zähne im Museums-Briefkasten entdeckt, berichtete eine Sprecherin des Kreises Mettmann. Der reumütige Zahn-Dieb hatte die beiden rund 40.000 Jahre alten „Beißerchen” eines erwachsenen Neandertalers und eines etwa zwölfjährigen Kindes in Papiertaschentücher gewickelt und in einem Briefumschlag verstaut.

Sachkundige Täter

Die augenscheinlich sachkundigen Täter, auf die bisher jeder Hinweis fehle, hatten mit Spezialwerkzeugen die beiden Wandvitrinen geöffnet und die wissenschaftlich wertvollen Backen-Zähne entnommen, schilderte die stellvertretende Museumschefin Bärbel Auffermann. Ab sofort seien die zwei Stücke wieder in einer großen Museums-Vitrine hinter Panzerglas zu betrachten. Das „Verpackungsmaterial” der Zähne werde von der Kripo derzeit eingehend untersucht.

Auch der Archäologe Ralf W. Schmitz (Universität Tübingen), der mit seinem Kollegen Jürgen Thissen vor knapp vier Jahren die Zähne am historischen Fundplatz im Neandertal entdeckt hat, zeigte sich „überglücklich, weil jetzt die Stücke weiter wissenschaftlich untersucht werden können”. Er hatte wie das Museum öffentlich um die anonyme Rückgabe der Urmenschen-Relikte („Das ist Weltkulturerbe!”) gebeten, die nach seiner Darstellung über keinerlei Marktwert verfügen.

Neues Projekt

Nach den Worten des Wissenschaftlers ist ein neues Projekt in Vorbereitung, die Funde erneut mit hochmodernem Gerät zu analysieren. So seien etwa anhand der Kaufläche des Backenzahnes Rückschlüsse auf die bevorzuge Nahrung der vor 300.000 bis 30.000 Jahren in Europa und Vorderasien lebenden Urmenschen möglich. Zudem gebe eine eingehende Analyse Hinweise auf den gesamten Kiefer des Neandertalers. Im Jahr 1997 war es Schmitz mit seinem Kollegen Thissen gelungen, den beim Kalkabbau zerstörten Fundplatz des Urmenschen neu zu lokalisieren. Als besondere Sensation konnten sie zwei weitere Neandertaler an dem bedeutenden Fundort nachweisen. Der entwendete Milchzahn ist der einzige Hinweis auf den dritten Urmenschen in dem Tal.