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Aachen: 32. Psychotherapie-Seminar: Wenn Angst und Panik zur Krankheit werden

Aachen : 32. Psychotherapie-Seminar: Wenn Angst und Panik zur Krankheit werden

Zunächst die gute Nachricht: Angst muss nicht immer nur schlecht sein. Denn, Angst zu haben, ist lebensnotwendig - auch in einer modernen Welt. Früher liefen die Menschen vor wilden Tieren davon, heutzutage kann die Angst in ganz anderen Situationen Leben retten - etwa im dichten Straßenverkehr, wenn ein Fußgänger vor einem Auto zurückspringt.

Dann führen körperliche Abläufe zu einer heftigen Reaktion - Angst als Schutzmechanismus!

Doch was, wenn sich der natürliche Schutzmechanismus Angst zu einem Krankheitsbild ausweitet, wenn die Angst sich zu einer Bedrohung oder Belastung entwickelt, die der Mensch kaum noch kontrollieren kann? „Das kann die Lebensqualität enorm einschränken und im allerschlimmsten Fall ein normales Leben unmöglich machen”, erklärt Professor Waltraut Kruse.

Beim 32. Westdeutschen Psychotherapie-Seminar vom 2. bis 4. März im Aachener Eurogress (siehe Informationen) dreht sich in diesem Jahr alles um das Thema Angst. „Ich glaube, dass wir wieder ein Thema gefunden haben, dass jeden interessiert. Denn jeder hat Angst schon einmal erlebt, der eine mehr, der andere weniger”, meint Waltraut Kruse, Initiatorin des dreitägigen Kongresses, der von unserer Zeitung unterstützt wird und sich vor allem bei interessierten Laien allergrößter Beliebtheit erfreut.

„Der Zuspruch wächst von Jahr zu Jahr, das zeigt uns, dass wir mit unseren Themen ganz offensichtlich den Nerv der Zeit treffen”, erklärt Waltraut Kruse, die das Seminar zusammen mit den Professoren Siegfried Gaugel, Beate Herpertz-Dahlmann, Henning Saß und Frank Schneider organisiert.

Veranstalter ist die Westdeutsche Arbeitsgruppe für Psychotherapie und Psychosomatik in Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen und der Ärztekammer Nordrhein.

Professor Frank Schneider, Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Aachen, wertet den öffentlichen Zuspruch zu den Therapietagen als Zeichen einer größeren Sensibilität innerhalb der Gesellschaft gegenüber psychischen Störungen: „Man kann über sein Befinden heute offener sprechen. Für die Therapie ist das entscheidend.”

Allerdings nur dann, wenn die Ursachen aufgedeckt werden können: Welche Krisen und Konflikte gibt es im privaten Umfeld? Wie sicher oder ungesichert ist die persönliche Existenz? Welche politischen Konflikte belasten uns? Welche spannungsvollen sozialen Beziehungen erleben wir? Wie empfinden wir die Tendenz zur Singularisierung, die Gefährdung und Brüchigkeit der Beziehungen? Wie sicher ist meine wirtschaftliche Situation? Kann ich mich darauf verlassen?