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Aachen: 3. Aachener Sinfoniekonzert: Filigrane Klangwunder werden hörbar

Aachen : 3. Aachener Sinfoniekonzert: Filigrane Klangwunder werden hörbar

Der WDR musste offenbar kommen, um die oft ausufernden zeitlichen Dimensionen der Aachener Sinfoniekonzerte auf ein vernünftiges Maß von zwei Stunden zu begrenzen.

Zudem konnte man sich im 3. Sinfoniekonzert an vier überwiegend bekannten, klanglich besonders raffinierten Repertoirestücken erfreuen, die in ihrer bunten Mischung einen voll besetzten Eurogress einbrachten. Erfreulich viele Schüler wohnten dem vom WDR live übertragenen Ereignis bei und hielten bis zum letzten Takt durch.

Die pfiffige Mischung zweier amerikanischer Zugstücke mit zwei Highlights des französischen Impressionismus stellte, vor allem im zweiten Teil des Abends, die virtuosen und klanglichen Fähigkeiten des Orchesters auf den Prüfstand. Und die können sich, wie nicht anders erwartet, hören lassen.

Maurice Ravels 2. Suite aus dem Ballett „Daphnis und Chloé” mit dem wohl effektvollsten Sonnenaufgang der Musikgeschichte erfordert eine besonders fein austarierte Klangbalance. Angesichts der katastrophalen Arbeitsbedingungen im Proberaum gelingt Marcus R. Bosch ein erfreulich ausgewogenes, schillerndes Klangbild. Und das über die gesamte dynamische Bandbreite vom zartesten Pianissimo bis zur leuchtenden Apotheose. Ein Sonderlob verdienen die Holzbläser, die die halsbrecherischen Soli in der Pantomime und die vertrackten Läufe im finalen Bacchanal exzellent bewältigten.

Mit viel Spielfreude

Auch wenn Ravel und Leonard Bernstein auf den ersten Blick wenig miteinander verbinden mag: Der tänzerische Impuls aus Ravels Ballett übertrug sich auf das anschließende Divertimento von Bernstein, einer kleinen, aber feinen Geburtstagsgabe des Meisters zum 100. Bestehen des Boston Symphony Orchestras. Ein kurz- gehaltener Durchgang durch etliche Stile und Tänze vom Walzer bis zum Blues, der dem Orchester erhebliche stilistische Flexibilität abverlangt. Das Sinfonieorchester Aachen bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, bei dem Bosch auch solche Husarenritte guten Gewissens riskieren kann.

Debussys „La Mer” und Gershwins „An American in Paris” vor der Pause spiegelten die Verhältnisse des zweiten Teils in etwas größeren Dimensionen wider. Die filigranen Klangwunder in Debussys „sinfonischen Skizzen” wurden hörbar, auch wenn sich im ersten Satz noch etliche Ungenauigkeiten und leichtere Balanceprobleme einschlichen. Gershwins anschließender Geniestreich heizte Bosch nicht nur mit viel Spielfreude auf, sondern er nahm auch die klangliche Textur der Partitur genau so ernst wie die der großen Franzosen. Auch wenn es Gershwin nicht gelang, Ravel als Lehrer gewinnen zu können, hat er doch eine Menge von ihm gelernt. Und das war in Aachen nicht zu überhören.

Viel Beifall für ein klug und effektvoll disponiertes Konzert auf hohem orchestralem Niveau.