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Mönchengladbach: 22-Jähriger muss sich wegen Hausexplosion verantworten

Mönchengladbach : 22-Jähriger muss sich wegen Hausexplosion verantworten

Vor dem Mönchengladbacher Landgericht beginnt am Mittwoch der Prozess um eine tödliche Verzweiflungstat. Ein 22-jähriger Mann muss sich wegen Mordes, versuchten Mordes, Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und schwerer Körperverletzung verantworten.

Sascha H. soll am 9. März im Gladbacher Stadtteil Hermges eine Gasexplosion in einem Mehrfamilienhaus ausgelöst haben. Laut Anklage wollte er sich und seine Freundin töten. Die beiden überlebten jedoch, stattdessen kam ein Nachbar ums Leben.

Um kurz nach 14 Uhr hatten damals aufgeregte Nachbarn die Feuerwehr verständigt. Das Mehrfamilienhaus lag in Schutt und Asche, rund 100 Rettungskräfte von Feuerwehr, Polizei und Technischem Hilfswerk waren im Einsatz. Für einen 45-jährigen Mieter kam jede Hilfe zu spät. Der Kfz-Mechaniker wurde durch die Explosion aus dem Haus geschleudert und von Trümmerteilen erschlagen. Zwei Anwohner wurden lebensgefährlich verletzt, sechs weitere erlitten leichte Verletzungen.

Der Angeklagte Sascha H. hatte seine Freundin Jasmin etwa anderthalb Jahre vor der Tat im Internet kennengelernt. Die 17-Jährige war laut Ermittlungen am Tattag von Essen aus zu ihrem Freund nach Mönchengladbach gekommen, um ihre Sachen aus der Wohnung zu holen. „Jasmin wollte sich wohl von ihm trennen, um mit einem anderen Jungen zusammen zu sein”, sagt Landgerichts-Sprecher Joachim Banke.

Sascha H. hatte mit der bevorstehenden Trennung offenbar gerechnet. Laut Anklage soll er die Gasleitung geöffnet haben. Kurz darauf klingelte seine Freundin nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft an der Tür. „Jasmin G. zündete sich eine Zigarette an”, heißt es in der Anklageschrift, „der Angeklagte ging davon aus, dass sich das Gasgemisch entzünden und eine Explosion auslösen würde, die zum Tod seiner Freundin führen würde.” Seinen Tod und den Tod anderer Hausbewohner habe er dabei „billigend in Kauf genommen”.

Tatsächlich flog das Haus wenige Sekunden später in die Luft, Sascha H. und seine Freundin erlitten schwerste Brandverletzungen und lagen monatelang im Krankenhaus. „Laut Anklage hat er sie freigegraben und gefragt, ob sie ihn noch liebe”, sagt Gerichtssprecher Banke, „sie solle ihn bloß nicht verraten.” Der 22-jährige Mechatroniker hat selbst noch keine Angaben zu seiner Tat gemacht.

Durch die Explosion wurde auch eine in dem Haus befindliche Pizzeria völlig zerstört. Der Inhaber Jochen Wyrobisch stand vor den Trümmern seiner Existenz. „Leider ist keine der Versicherungen für den Schaden aufgekommen”, klagt Wyrobisch, „die ganze Einrichtung, die Küche, alles war kaputt.”

Die Versicherung hätte sich darauf berufen, dass jemand „vorsätzlich” die Explosion verursacht habe. Dabei hatten die Familie und mögliche Gäste sogar noch Glück: „Ich darf nicht daran denken, was passiert wäre, wenn wir schon geöffnet gehabt hätten. Kühlschränke sind umhergeflogen, Wände wurden weggerissen. Es hätte viele Tote gegeben.” Inzwischen haben Wyrobisch und seine Frau neue Arbeitsstellen gefunden: „Um die Pizzeria wieder aufzubauen, hatten wir kein Geld.”

Für den Prozess hat das Landgericht zunächst sechs Verhandlungstage angesetzt. Sascha H. droht eine lebenslange Haftstrafe. Seine Ex-Freundin Jasmin soll im Prozess als Kronzeugin aussagen. Das Urteil wird frühestens für den 12.Dezember erwartet.