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Aachen: 1968 im Fokus: Die Schau „Flashes of The Past“ im Zeitungsmuseum

Aachen : 1968 im Fokus: Die Schau „Flashes of The Past“ im Zeitungsmuseum

Ein besonders strapazierfähiges Symbol für den Geist von Umwälzung und Widerstand des Jahres 1968 hat seine Strahlkraft behalten. Der faustgroße Pflasterstein ist das erste sichtbare Exponat, mit dem Besucher ab Freitag im Wechselausstellungsraum des Internationalen Zeitungsmuseums Aachen (IZM) empfangen werden.

„Unter dem Pflaster liegt der Sand“ lautet der dazugehörige Slogan der französischen Linksintellektuellen, Stein und Spruch gehören zu den vielen Zeitdokumenten, Metaphern und gedruckten Momentaufnahmen eines bewegten Jahres, die in der Ausstellung „Flashes of the Past. Medienwandel und Protestkultur“ zu sehen sind.

Die neue Schau löst die vielbeachtete Aufarbeitung der Geschichte von Alemannia Aachen zur Zeit des Nationalsozialismus ab. Museumsleiter Andreas Düspohl hat sich einem weitaus raumgreifenderen Thema der Zeitgeschichte gewidmet, zu dem er im Hausarchiv reichlich Material vorfand. „Die allermeisten Exponate stammen aus unserem Bestand, ergänzt um Stücke aus dem Archiv der RWTH sowie einzelne besondere Dokumente. Schüler- und Studentenzeitungen, die plötzlich politische und gesellschaftlich Themen behandeln, das war noch neu“, sagt Düspohl.

Rund 2700 Publikationen zur 68er-Zeit hat das Museum mit dem weltweit einmaligen internationalen Dokumentationsanspruch im Bestand. Düspohl hat vor allem markante Titelseiten ausgewählt, die auch von der dichten Ereignisfolge des Jahres 1968 neben den Studentenprotesten künden — das Attentat auf Studentenführer Rudi Dutschke, die Ermordung des Bürgerrechtlers Martin Luther-King, die Niederschlagung des Prager Frühlings ragten in der öffentlichen Wahrnehmung heraus.

„Der Schwerpunkt der gezeigten Exponate entstammt tatsächlich dem Springer-Portfolio“, sagt Düs­pohl und weist damit auch auf die unrühmliche Rolle des „Bild“-Mutterhauses hin. Mit „Enteignet Springer“ findet sich ein weiterer markanter Slogan jener Zeit auch prominent auf dem Werbematerial zur Ausstellung und wirkt dabei fast wie ein Revival des Protestaufrufs vor 50 Jahren — in Zeiten von erstarktem Populismus und diffusen geschürten Ängsten sicherlich ein Gedanke.

Neben den Druckwerken — darunter Jugendzeitschriften, Schülerzeitungen und Flugblätter — lassen bewegte Bilder an Videostationen etwas von der seinerzeit noch frischen Macht des Fernsehens erahnen. „In den USA flimmerte zu dieser Zeit erstmals ein Krieg über die Schirme und gelangte so auch ins Bewusstsein der Menschen“ — die amerikanische Intervention in Vietnam, das daraus resultierende massenhafte Sterben, bekannte Befeuerungsaspekte im Protestjahr 1968.

Die Schau im IZM ergänzt thematisch die weitaus umfangreichere Ausstellung „Flashes of the Future. Die Kunst der 68er oder Die Macht der Ohnmächtigen“, die am 20. April eröffnet wird. „Das IZM ist Gold wert“, sagt Lufo-Leiter Andreas Beitin, „ich könnte mir keine bessere Bereicherung wünschen“. Mit seiner musealen Behandlung des besonderen Jahres liege Aachen außerdem in Deutschland weit vorn. „So viel macht wohl kaum jemand.“