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Würselen: „17 Hippies” haben große Lust auf musikalische Freiheit

Würselen : „17 Hippies” haben große Lust auf musikalische Freiheit

Ein wilder Haufen, lustig aber völlig chaotisch? Die Assoziationen bei der Band, die als „17 Hippies” längst nicht mehr nur in Berlin, sondern auch in den USA und Frankreich Furore macht, sind zum Teil abenteuerlich.

„Dabei sind wir prima organisiert, sonst würde das ja bei uns überhaupt nicht laufen”, sagt Christine Sauer, die alle nur „Kiki” nennen.

Sie steht nicht nur mit dem Akkordeon auf der Bühne und singt, sie führt das Büro der Gruppe in Berlin am Prenzlauer Berg, sorgt für die geschäftlichen Abläufe und die Tourplanungen.

Am Donnerstag, 24. Juni, 20 Uhr, entfalten „17 Hippies” auf der Open-Air-Bühne von Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg ihr facettenreiches Repertoire.

Was die Gruppe von Anfang an geprägt hat und ihr auch das „Hippie-Flair” gibt, ist eine besondere Form von Freiheit. „Irgendwann fanden sich Profimusiker zusammen, die es satt hatten, Verstärker zu schleppen und nur immer die Rock- und Popschiene zu bedienen.”

Die Folge war eine experimentierfreudige, lustige Truppe von Profis, die für Dudelsack, Geige, Banjo und Ukulele ihre E-Gitarren in die Ecke stellten und das Schlagzeug ruhen ließen, um aus traditionellen Quellen zu schöpfen und eine Musik ohne Grenzen zu pflegen.

„Wir sind auf einem Schiff aufgetreten, ohne Eintritt, das war ein riesiger Erfolg”, erinnert sich die Akkordeonistin. „Viele hielten uns für die Gegenbewegung zu Techno, aber das waren wir nicht, es ging nicht um Protest, sondern um die Musik.”

Als der Andrang zunahm, für die Zuschauer diese unverkrampfte und doch professionelle Lust am Crossover zur Attraktion wurde, war allen klar, dass auch die Freiheit Organisation braucht.

So sind „17 Hippies” eine GmbH, gibt es inzwischen ein eigenes Label inklusive Vertrieb. Undr Andreas Dresens preisgekrönter Film „Halbe Treppe” (Silberner Bär 2002) sowie einige ZDF-Produktionen verdanken ihnen musikalisches Flair.

Der Qualitätsanspruch an die Mitwirkenden von „17 Hippies” ist hoch, wobei man ganz selbstverständlich aus der Klangfülle von RocknRoll über Jazz, Klassik bis Folk schöpft, internationalen Quellen nutzt wie die polnische Volksmusik, die Klängen Italiens und Südamerikas bis hin zu bulgarischen, alpenländischen oder sogar schottischen Impressionen. Immer wieder leuchtet orientalisch-jüdische Musiktradition auf.

„Wir sind sogar einmal zu einer Bar-Mizwa eingeladen worden, weil wir nach Meinung der jüdischen Familie ihre Musik modern und zugleich authentisch spielen”, erinnert sich Kiki.

Was sie auf Burg Wilhelmstein spielen werden?

„Mal sehen, wir haben ja ein breites Repertoire, improvisieren alle gern und stimmen uns manchmal erst auf der Bühne per Zuruf ab, was wir im nächsten Moment machen. Wir lassen uns von der Atmosphäre inspirieren.”