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Köln: 16.000 Fans feiern Coldplay in Köln

Köln : 16.000 Fans feiern Coldplay in Köln

Minutenlang erfüllt Walzermusik in ohrenbetäubender Lautstärke die Halle. Wer die Augen schließt, könnte meinen, auf dem Wiener Opernball gelandet zu sein.

Doch die 16.000 Menschen, die es am Freitag in die ausverkaufte Kölnarena geschafft haben, warten nicht auf den ersten Tanz, sondern auf vier Engländer. Coldplay macht auf seiner Deutschlandtour Station in Köln.

Der Walzer verstummt, für ein paar Sekunden wird die Halle stockdunkel. Der erste Jubel brandet auf, als als die schattigen Umrisse von Frontmann Chris Martin, Jonny Buckland (Gitarre), Guy Berryman (Bass) und Will Champion (Schlagzeug) hinter einem transparenten Vorhang sichtbar werden.

„Life in Technicolor”, das Intro ihrer aktuellen Platte, ist die Auftaktnummer. Mit jedem Akkord wird die Musik intensiver. Die ersten Bässe schlagen ein. Obwohl die Kölnarena vor allem Sitzplätze hat, stehen bereits jetzt alle.

Dann hebt sich der Vorhang und die Band rückt mit „Violet Hill” gleich ins Herz ihrer neuen CD „Viva La Vida” vor. Die vier Musiker sind energischer und experimentierfreudiger geworden.

Hier mal ein paar Handclaps, dort einige fernöstliche Sounds. Trotzdem ist Coldplay vor allem eines geblieben: massenkompatibel, ohne zu nerven. Die abwechslungsreiche Bühnenshow unterstützt mit vielen Lichteffekten und Videoinstallationen die Atmosphäre der Songs.

Chris Martin ist ständig in Bewegung. Er tänzelt quer über die Bühne, macht die für ihn typischen Verrenkungen, springt vom Klavier an die Gitarre und wieder zurück.

Er drückt den Rücken durch, reißt sein Mikro in die Höhe und 16.000 Fans singen „In My Place”. Coldplay beherrschen an diesem Abend perfekt das Wechselspiel von lauten und leisen Tönen, von Stadionrock und melancholischen Balladen. Mitunter in ein und demselben Song.

„Hardest Part” stemmt Martin ganz allein, auf einem Steg inmitten der Zuschauer. Nur ein Spot ist auf ihn und sein Klavier gerichtet. Die Kölnarena schrumpft plötzlich.

Er könnte diesen Song genau so in einem kleinen verrauchten Club vor fünfzig Zuschauern spielen. Der letzte Ton aus Martins Klavier ist noch nicht verklungen, da reißt „Viva La Vida”, die neuste Single, flirrend und vibrierend die Fans aus ihrer Andacht.

Nach etwas mehr als einer Stunde heißt es „Thanks everybody”, die Band verschwindet in den Katakomben der Arena. Das kann es doch noch nicht gewesen sein, denken die Fans, als die vier Musiker unerwartet auf der anderen Seite der Halle auftauchen.

Und jetzt heißt es Coldplay unplugged: Ihren schwermütigen Welthit „The Scientist” spielen die Engländer ohne Keyboard und Bassdrum - nur Gitarren, eine Mandoline und Martins Mundharmonika füllen die Arena. Die Fans sind begeistert.

Mit über 30 Millionen verkauften Alben und vier Grammy- Auszeichnungen ist Coldplay eine der erfolgreichsten Bands des Jahrzehnts. Bis Ende September gibt die Gruppe noch drei Deutschlandkonzerte in Hamburg (14.9), Berlin (15.9) und München (26.9).