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Aachen: 16-Jährige mit Messer gefügig gemacht

Aachen : 16-Jährige mit Messer gefügig gemacht

Mitte September letzten Jahres war der 22-jährige Michael S. erst ein halbes Jahr wieder auf freiem Fuß. Da geschah genau das, wovor der Aachener seit seiner Entlassung aus einer sechsjährigen Jugendhaft selbst Angst hatte, wie er dem Gericht erklärte.

Seit seiner Kindheit leide er unter nicht zu bändigenden Hassanfällen und sexuellen Aggressionsstaus. Sie brachen sich an jenem Abend im September wieder brutal ihre Bahn.

Er rief ein Mädchen aus seiner Clique an, bestellte sie unter dem Vorwand, ihr Ex-Freund wolle sie noch einmal sehen, gegen 22 Uhr in seine Zweizimmerwohnung. Sein 30-Zentimeter langes Survival-Messer hatte er bereits in der Hosentasche, als das Mädchen klingelte.

Ans Bett gefesselt

Vor der 5. großen Strafkammer schilderte der wegen Vergewaltigung Angeklagte, wie er die 16-Jährige mit dem Messer bedrohte und zu einer etwa zweistündigen brutalen Sex-Orgie mit Fesselungsszenen auf seinem Bett zwang. „Ja, so stimmt das,” erklärte er der Vorsitzenden Richterin Angelika Kasparek, „ich nahm das Klebeband und fesselte sie an Füßen und Händen.”

Unter Todesangst ließ das Mädchen wiederholt den Geschlechtsverkehr über sich ergehen. Michael S. stach die Klinge seines Messers immer wieder heftig neben dem Mädchen in die Matratze, um sein Opfer beim Geschlechtsverkehr gefügig zu halten. Die 16-Jährige hatte trotz aller Grausamkeiten dann noch Glück: Als er fertig war, ließ er sie unbehelligt aus der Wohnung gehen.

Keinen Therapieplatz gefunden

Vor der Kammer gab er an, seit seiner Kindheit leide er unter kaum beherrschbaren Anfällen von Hyperaktivität, habe brutale Selbstverstümmelungsanfälle. Seit seinem 6. Lebensjahr sei er mit brutalen SM-Porno-Videos des Vaters aufgewachsen, habe entsprechend grausame Spiele mit Nachbarskindern veranstaltet, berichtete er der Richterin.

1997 wurde der 15-Jährige zu sechs Jahren Jugendstrafe verurteilt, weil er seine jüngere Kusine vergewaltigt und ihr dabei beinahe „das Genick gebrochen” hatte, so der Angeklagte. Er habe dringend einen Therapieplatz gesucht, weil sich in ihm wieder etwas zusammen braute - er fand keinen.