Hückelhoven-Ratheim: Künstlerinnen auf der Suche nach sich selbst

Hückelhoven-Ratheim: Künstlerinnen auf der Suche nach sich selbst

„Kinder, Küche, Kunst und Kompromisse” - so fing alles an. Dieses Porträt von dem Leben einer Künstlerin gab für vier Künstlerinnen aus dem Kreis Heinsberg den Ausschlag für die dreitägige Ausstellung „Lebenswege”, die im Alten Rathaus gezeigt wurde.

Gemeinsam präsentierten Eva-Stefanie Mosburger-Dalz, Sabine Koldeweyh, Beate Königs und Katia Inkiova-Kersten ihre unterschiedlichen Auseinandersetzungen mit „Lebenswegen”.

„Im Dezember stand das Thema, und dann haben wir uns erst einmal zwei Monate nicht gesehen”, berichtet die Fotografin Sabine Koldeweyh. Ihre Fotocollagen setzen sich mit je drei Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen auseinander: eine junge, selbstständige Geschäftsfrau, die dynamisch mit der Wirtschaftskrise ringt; eine Hausfrau, Mutter und noch so vieles mehr für andere, die „Zeit für mich” sucht; und eine Oma, Matriarchin und Kriegskind vor dem Wirtschaftswunder. Dabei wird immer wieder deutlich, wie das Außen das Innere des Menschen verändert.

Eine Frage, mit der sich auch Eva-Stefanie Mosburger-Dalz in ihren Lebensgeschichte erzählenden und dabei sinnlich erinnernden „Textilen Flickwerken” beschäftigt: Auf einer quiltartigen Verarbeitung eines Rüschenkleides, Miedergürtels und Spitze auf hellem Stoff steht: „Die Augen anderer unsere Kerker; ihre Gedanken unsere Käfige.”

Die Künstlerin verarbeitet Texte der Avantgardistin Virginia Woolf, die als erste Frau zur klassischen Moderne zählt und in den 70er Jahren von der neuen Frauenbewegung viel zitiert wurde. Die Verarbeitung weiblicher Identitäten, die in dem Wissen um die Prägung des Milieus mit Selbstreflexionen ringen, verarbeitet Mosburger-Dalz weiter - auch zu charismatischen Drucken.

Beate Königs Bilder betrachtend glaubt der Zuschauer, im Wald zu stehen: Aus langen schmalen Leinwänden setzt sich das große Waldgemälde zusammen, dessen Leinwand-Zwischenräume, die weiße Wand, im vorbeigehen wie Sonne durch ein Blätterdach strahlen. Die Bilder seien vielfach von selbst gekommen, sagt die naturverbunden Kulturmittlerin. Erst nach ihrer Vollendung beobachtete Königs unterbewusste Verarbeitungen.

So bemerkte sie, die gelernte Architektin, erst im Nachhinein, dass „Der Weg” von Gebäuden gesäumt ist, die für ihre unterschiedlichen Lebensabschnitte stehen.

Nicht nur Ikonenkunst, sondern auch die Kunst der Ikonenschöpfung dokumentiert Katia Inkiova-Kersten, die in Bulgarien vor einigen Jahren noch im Kulturministerium tätig war und als Moderatorin arbeitete.

Immer wieder Thema: die ihrem Kind zugewandte Maria. Eine stillende Maria mit müden und dennoch starken Augen entwickelte Katia Inkiova-Kersten außerdem.

In ihrem ausliegenden Lebenslauf erwähnt sie von ihrer Karriere übrigens kein Wort, widmet sich ganz der Ikonenkunst und endet in demutsvoller Würde: „Natürlich bin ich ein normaler Mensch mit entsprechenden Fehlern, jedoch versuche ich, in dieser Erkenntnis mit meiner Kunst Frieden und Optimismus zu geben.”

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