Kreis Heinsberg: Künstler-Forum kämpft für die Freiheit der Kunst

Kreis Heinsberg: Künstler-Forum kämpft für die Freiheit der Kunst

Ein Schloss ist immer ein würdiger Rahmen, nicht nur für besondere Anlässe. Er ist für das Künstler-Forum Schloss Zweibrüggen mit Sitz in Übach-Palenberg auch immer der Rahmen, in dem außergewöhnliche Kunst in einem wirklich außergewöhnlichen Ambiente präsentiert werden kann.

Vorsitzender Professor Dieter Crumbiegel nutzt das Schloss gerne. Da gibt es nicht nur eine prächtige Eingangshalle, die andernorts sehr gesucht ist. Bei der jüngsten Ausstellung werden die Deckenhöhe und die schlicht weißen Wände im Inneren des Schlosses ideal genutzt, denn die Künstlerin Sabine Jacobs schöpft mit ihren Installationen den vorhandenen Raum voll aus. Doch auch ansonsten hat das Schloss viele Vorteile, die sich nicht nur im Namen widerspiegeln.

Horst Zocher, Hedi Klee und Peter Hyden (v. l. n. r.) gehören nicht nur dem Künstler-Forum Schloss Zweibrüggen an, sondern stellten auch mit ihren individuell gestalteten Stühlen unter Beweis, wie vielfältig Kunst schon im kleinsten Kreis sein kann. Foto: Markus Bienwald

Es eignet sich bestens für offizielle Anlässe und breitet einen roten Teppich für Künstler aus, um die es sich bei der Arbeit des „Forums“, wie es in der Region nur anerkennend genannt wird, schließlich auch dreht. „Schließlich ist Kultur keine sonntägliche Zugabe, sie ist der Kern unseres Wesens, und steht als unverzichtbares Prinzip im Mittelpunkt unseres gesellschaftlichen Lebens“, macht Professor Crumbiegel unmissverständlich klar.

Im Zentrum der Gesellschaft

Das angestrebte Ziel des Forums, das sich seit Mitte der 1990er-Jahre intensiv nicht nur mit der heimischen, sondern auch der überörtlichen Kunst auseinandersetzt, ist, die Kunst im Zentrum der Gesellschaft zu verankern. Das gelingt dem Forum nicht nur bei der jährlich wiederkehrenden Kunsttour immer wieder, sondern zeigt sich auch im stetigen Bestreben, nicht nur Einzelkünstler, sondern auch mal zwei oder drei Kunstschaffende in einer Ausstellung zu vereinen. Dadurch werden verschiedene Auffassungen moderner darstellender Kunst repräsentierbar, was sich beispielsweise auch an den beiden aktuellen Trägern des von der Familie Crumbiegel ausgelobten Marlies-Seeliger-Crumbiegel-Preises bemerkbar macht.

Während Sabine Jacobs — wie beschrieben — auch die Ausstellungsräume in das Konzept ihrer dreidimensionalen Kunstwerke mit einbindet, findet sich in Ralf Wierzbowski ein idealer Gegenpart. Sein Oeuvre lebt von der Düsternis, von den ernsten Blicken auf das Leben. Gemeinsam schafft es die Kunst der beiden, zwei Pole der aktuellen Kunstszene darzustellen, und den Betrachter zwischen ihnen hin und her pendeln zu lassen.

Wenig Pardon

Aber nicht nur die in diesem Jahr noch anstehenden weiteren zwei Gruppenausstellungen und die große Ausstellung für Mitglieder und Glaskünstler machen das Schaffen des Künstler-Forums Zweibrüggen aus. „Jeder Mensch kommt täglich mit Kunst in Berührung“, so Professor Crumbiegel. Der Besuch von Ausstellungen ist da nicht immer nötig, manchmal reicht die Betrachtung täglicher Medien, um die Mittel der Wahrnehmung anzutesten. „Hier gibt es viele künstlerische Mittel, um zu informieren, zu unterhalten, aber auch Meinung und Verhalten zu beeinflussen“, findet Crumbiegel.

An dieser Stelle sieht er einen unscharfen und fließenden Übergang zur Kunst. Dennoch kennt er wenig Pardon mit dem, was manchmal landläufig in künstlerisch angehauchten Kursen vermittelt wird. „Kunst, die ich sofort verstehe, ist lediglich illustrativ und lässt mir keine Chance der eigenen Meinung“, schloss Crumbiegel. Erst, wenn der Betrachter die in den Bildmitteln angelegte Aussage selbst entschlüsseln müsse, erreiche Kunst den Zustand der eigenen Meinungsbildung, einer selbst gewählten Reaktion. In diesem Sinne setzt sich das gesamte Künstler-Forum für die freie Kunst ein. „Das Künstler-Forum sieht sich in der Reihe derer, die für diese Freiheit der Kunst und ihren Erhalt kämpfen wollen“, sagt Crumbiegel.

Wie so etwas auch aussehen kann, haben die Forumsmitglieder selbst auch schon öfter unter Beweis gestellt. So zeigten bei einer Ausstellung die Mitglieder Hedi Klee, Peter Hyden und Horst Zocher, die sich eigentlich unterschiedlichen Medien und Visualisierungen verschrieben haben, bei einer Gemeinschaftsausstellung, dass die scheinbar simple Gestaltung eines Stuhls durchaus künstlerische Dimensionen annehmen kann. Ihre eigene Handschrift war dabei zweifelsfrei erkennbar, und war sicherlich ein Blickfang. Da gab es aber beispielsweise auch eine denkwürdige Aktion der Forumsmitglieder, die mit einer Versteigerung von frei gestalteten Objekten Geld sammelten für einen Lift, der den barrierefreien Zugang zum Schloss Zweibrüggen und damit auch zur Kunst mit den Anforderungen des Denkmalschutzes verband.

Insofern ist das Schloss für das Künstler-Forum Schloss Zweibrüggen nicht nur schöner Rahmen, Namensgeber und Heimstatt, sondern auch eine echte Herzensangelegenheit.

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