Jülich: Krisenbahnhof Jülich: Industrie parkt Waggons

Jülich: Krisenbahnhof Jülich: Industrie parkt Waggons

Eine Krise bringt Verlierer und Gewinner zum Vorschein. Das ist eine Binsenweisheit. Die Frachtabteilung der Dürener Rurtalbahn gehört auf gewisse Weise zu den Profiteuren.

Während das Unternehmen in der Vergangenheit häufig als Vertragspartner großer Speditionen auf der Schiene unterwegs war, kann sie die Flaute jetzt durch einen ganz besonderen Umstand nutzen.

Sie verfügt über einige Kilometer Gleisnetz, die nicht benötigt werden. Hier parkt sie derzeit ungenutzte Waggons, gegen Miete, versteht sich. Da das vor allem im Norden des Kreises der Fall ist, kann man also vom Krisenbahnhof Jülich sprechen.

Entlang der Rübenstraße zum Beispiel stehen Autotransport-Schienenfahrzeuge so weit das Auge reicht. Die Besitzer warten auf bessere Zeiten. Bislang sind sie trotz der Abwrackprämie als Subventionsbestseller noch nicht eingetreten.

Auf vier Kilometer Schienen reihen sich die Güterwaggons, wie Rurtalbahn-Geschäftsführer Hans-Peter Nießen auf Anfrage informiert. Der eine Teil dieser Totgleise befindet sich in Jülich, der andere in Zülpich, jeweils im Hoheitsgebiet des Dürener Unternehmens.

„Normalerweise übernehmen wir für Eisenbahn-Spediteure den Güterverkehr. Wir stellen zum Beispiel die Lok, die dann die Waggons von A nach B transportiert. Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise ist das natürlich viel weniger geworden”, sagt Nießen.

Seit Anfang November haben das die Frachtunternehmen, aber auch die Rurtalbahn zu spüren bekommen. „Wenn die Waggons nicht fahren, müssen sie ja irgendwo stehen. Und Gleise sind rar”, erklärt der Kaufmann den simplen Zusammenhang. Deshalb habe man dem Kundenwunsch entsprochen, die Fahrzeuge abgeholt und abgestellt.

Natürlich bekommt die Rurtalbahn dafür Geld. Aber Nießen schränkt ein: „Wir fahren die Waggons lieber, als sie abzustellen. Wir werden davon bestimmt nicht reich.”

Mehr von Aachener Zeitung