Kreis Heinsberg: Kreis will Offene Kinder- und Jugendarbeit ausbauen

Kreis Heinsberg: Kreis will Offene Kinder- und Jugendarbeit ausbauen

Der Kreis Heinsberg will die offene Kinder- und Jugendarbeit im Kreisjugendamtsbezirk mit neuen Stellen in Gangelt, Wassenberg und Wegberg weiter ausbauen. Das hat der Jugendhilfeausschuss des Kreises mit großer Mehrheit beschlossen.

Nur Hans Braun von der AfD, der dem Ausschuss als sachkundiger Bürger angehört, stimmte dagegen. Grundlage der Entscheidung des Ausschusses war ein Forschungbericht von der Abteilung Aachen der Katholischen Hochschule NRW zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Kreis Heinsberg. Nach einem Beschluss des ­Jugendhilfeausschusses vom Mai 2015 war die Hochschule einen Monat später mit der Untersuchung beauftragt worden. Im Juni 2016 waren die Ergebnisse dem Ausschuss vorgestellt worden. Es wurde eine Arbeitsgruppe gebildet mit Vertretern des Jugendamtes ­sowie der evangelischen und der katholischen Kirche. Sie stellte dem Ausschuss im Juni dieses Jahres ihre Auswertung vor.

Demnach soll in der Gemeinde Gangelt auf Antrag der evangelischen Kirche künftig eine Vollzeitstelle für die Offene Jugendarbeit eingerichtet werden. Weiterhin seien auch für Wassenberg und für Wegberg jeweils eine zusätzliche halbe Stelle notwendig, so der Bericht, ebenso wie eine weitere halbe Stelle in der Kreisverwaltung für die Begleitung der pädagogischen Arbeit.

Der Ausschuss beschloss die Einrichtung der Stelle in Gangelt. „Die übrigen im Bericht genannten, zusätzlichen Stellen sind entsprechend den von den Trägern der Offenen Jugendeinrichtungen vorzulegenden Konzeptionen zu der mobilen Arbeit einzurichten“, heißt es dort weiter. So soll der enstprechende Haushaltsansatz des Kreisjugendamtes um 148.000 auf 824 000 Euro steigen. 120.000 Euro sind für die neuen Stellen eingeplant, weitere 28.000 Euro für sogenannte Sach- und Mobilitätskosten. Bei derzeit 16.330 Kindern im Jugendamtsbezirk bedeutet dies eine Erhöhung um 9,06 Euro pro Person im Jahr. Hinzu kommen weitere 30.000 Euro für die halbe Stelle für das Sachgebiet Jugendarbeit im Kreisjugendamt.

Die Offene Jugendarbeit stehe bei der Betreuung von Kindern und Jugendlichen oft im Schatten, sei aber ein Pflichtaufgabe, hatte Dr. Christiane Leonards-Schippers (CDU) als Ausschussvorsitzende erklärt. Dabei finde ein Großteil von Bildung außerhalb der Schule statt. Auch aus Sicht der Verwaltung ist die Offene Jugendarbeit eine wichtige Aufgabe, „die gerade jetzt bei aufkommendem ‚Rechts- oder Linkspopulismus‘ weiter an Bedeutung gewinnt“, hieß es in der Vorlage der Verwaltung.

Junge Menschen bräuchten in den sich ständig verändernden Lebensverhältnissen Anlaufstationen. „Der Wandel in der Familie, die Erosion sozialer Strukturen, zunehmende Armut, aber auch mehr Freizeit und eine stärkere Konsumorientierung sind einige Faktoren, die das Aufwachsen junger Menschen bestimmen.“ Offene Jugendarbeit könne dazu beitragen, junge Menschen in ihrer Persönlichkeit zu festigen, aber auch zukünftige staatliche Transferleistungen zu vermeiden.

Weiter beschloss der Ausschuss, beim Waldkindergarten Waldgeister in Wegberg wegen eines gescheiterten Grundstückskaufs frei werdende Mittel jetzt für den Ausbau der Kita St. Georg in Wassenberg zu nutzen.

Unterhaltsvorschussgesetz

Jugendamtsleiter Hans-Jürgen Oehlschläger informierte auch über die Reform des Unterhaltsvorschussgesetzes, die Mitte August in Kraft getreten ist. Dabei wurde die Altersgrenze von zwölf auf 18 Jahre angehoben und die Höchstleistungsgrenze von 72 Monaten aufgehoben. Dadurch änderte sich die Fallzahl im Kreisjugendamt von 584 Ende Juni auf 1140 Mitte August dieses Jahres. Mit rund 100 weiteren Anträgen werde noch gerechnet, so Oehlschläger. Dadurch werde im nächsten Haushaltsjahr mit einem Aufwand in Höhe von knapp drei Millionen Euro gerechnet. Der Ansatz im Jahr 2016 in Höhe von 1,3 Millionen Euro sei noch ohne Berücksichtigung der aktuellen Gesetzesänderung ermittelt worden.

(anna)