Kreis Heinsberg: Kreis unterstützt das Projekt „Trampolin“

Kreis Heinsberg: Kreis unterstützt das Projekt „Trampolin“

Der Kreis Heinsberg wird das von der Beratungsstelle für Suchtfragen gestartete Projekt „Trampolin“ für Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren aus suchtbelasteten Familien künftig über die Kreisumlage mit 12.000 Euro pro Jahr unterstützen. Das hat der Jugendhilfeausschuss einstimmig beschlossen.

Zuvor hatte Marlies Trapp, Leiterin der vom Caritasverband in Kooperation mit dem Diakonischen Werk getragenen Beratungsstelle, den Ausschussmitgliedern das Projekt vorgestellt. Es sei in dreijähriger Forschungsarbeit als Bundesmodellprojekt in Kooperation zwischen dem Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowie dem Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) an der Katholischen Hochschule Köln entwickelt und positiv evaluiert worden, erläuterte sie. Es werde jetzt vom Bundesgesundheitsministerium empfohlen.

Derzeit ist das Projekt mit einer Gruppe von acht Kindern bei der Beratungsstelle installiert. Die Kosten für dieses Jahr wurden überwiegend durch die Caritas-Gemeinschaftsstiftung für das Bistum Aachen getragen. Ab 2014 sollen zwei Gruppen angeboten werden. Für jedes Kind bedeutet das Projekt „Trampolin“, das durch einen Hol- und Bring-Service begleitet wird, die Teilnahme an neun wöchentlichen Gruppensitzungen über jeweils 90 Minuten. Hinzu kommen zwei Elternabende. An den Kosten wird sich der Caritasverband selbst weiterhin mit zehn Prozent beteiligen.

In Deutschland würden rund 2,65 Millionen Kinder und Jugendliche zeitweise oder dauerhaft mit mindestens einem alkoholabhängigen Elternteil zusammenleben, erklärte Trapp in der Sitzung. Hinzu kämen etwa 40.000 Kinder, deren Eltern drogenabhängig seien. Insgesamt seien als zehn 10 bis 15 Prozent aller Kinder von einer Suchtstörung in ihrer Familie betroffen. „Das ist keine Randgruppe, auch im Kreis Heinsberg nicht!“, betonte Trapp. Denn für den Kreis Heinsberg würden diese Zahlen bedeuten, dass hier im Schnitt rund 5000 Kinder betroffen wären.

Vorrangiges Ziel des Projekts sei, den Kindern zu vermitteln, dass sie nicht Schuld seien an der Sucht ihrer Eltern. „Das glauben Kinder ganz oft“, so Trapp. Zudem solle so ein sogenannter Transgenerationeneffekt verhindert werden, in dem die Sucht von einer Generation an die nächste weitergegeben werde und durch „Modelllernen“ gewisse Verhaltensmuster der Eltern unreflektiert übernommen würden.

Den Kosten für das Projekt stellte Trapp schließlich die gesellschaftlichen Kosten der Sucht gegenüber. Kinder aus suchtbelasteten Familien hätten eine um mehr als 24 Prozent höhere Quote an Krankenhausaufenthalten. Zudem würden mehr als 40 Prozent der Jugendhilfemaßnahmen auf suchtbelastete Familien entfallen. „Trampolin“ koste dagegen pro Jahr und pro Kind rund 700 Euro.

Sie habe dem Ausschuss mit wenigen Zahlen eindringlich verdeutlichen können, dass ein Problem, das als Randproblem erscheine, eines in der Mitte unserer Gesellschaft sei, sagte Ausschussvorsitzender Willi Paffen. „An diesem Problem müssen wir arbeiten!“ Die Frage aus dem Ausschuss, ob 16 Kinder da nicht ein Tropfen auf den heißen Stein seien, ließ Trapp so nicht gelten. Es sei schon nicht einfach gewesen, die ersten acht Kinder für eine Teilnahme zu erreichen, erklärte sie. „Das ist nichts, was Eltern offen ansprechen.“ Aber nur über die Eltern komme man auch an die Kinder heran.

(anna)