Städteregionale Rettungsleitstelle: Kosten schnellen weiter in die Höhe

Städteregionale Rettungsleitstelle: Kosten schnellen weiter in die Höhe

Als die Städteregion am 21. Oktober 2009 offiziell gegründet wurde, konnten sich viele Menschen in Altkreis und Stadt Aachen nicht so recht vorstellen, was es mit ihr auf sich haben würde.

Als gutes, weil verständliches Beispiel für die mit der Gründung angestrebten engeren Kooperation wird seitdem gerne die gemeinsame Rettungsleitstelle angeführt, die von der Stadt Aachen und deren Feuerwehr betrieben und von der Städteregion bezahlt wird.

„Das war genau die richtige Entscheidung. Es ist sehr wichtig, dass die Region diese eine Leitstelle hat“, stellt Gregor Jansen heute fest. Daran änderten, so betont der für Finanzen, Ordnung und Sicherheit zuständige Dezernent auf Nachfrage unserer Zeitung, auch die Nachschläge nichts, die die Städteregion in den vergangenen Jahren hat leisten müssen — und wohl auch für das Jahr 2018 wieder leisten werden muss.

Seine positive Einschätzung wird Gregor Jansen vermutlich am nächsten Donnerstag noch einmal formulieren, wenn der Ausschuss für Rettungswesen und Bevölkerungsschutz zur nächsten Sitzung zusammenkommen wird — passenderweise in besagter Leitstelle in der Stolberger Straße in Aachen. Und der Dezernent wird dann auch die aktuellen Zahlen präsentieren, die — das zeigt die Erfahrung aus der Vergangenheit — sicherlich keine Begeisterung in dem Gremium auslösen werden. Denn einmal mehr tun sich zwischen den ursprünglich angesetzten und den tatsächlichen Kosten Welten auf.

Die Differenz wird am Ende dieses Jahres nach Berechnungen der Verwaltung voraussichtlich bei gut einer halben Million Euro liegen. Im vergangenen Jahr hatte die Städteregion gut 71.000 Euro nachzahlen müssen, für 2016 wiederum waren 265.000 Euro fällig geworden. 2015 hingegen — Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel — fiel die finale Abrechnung gegenüber der Kalkulation sogar um 330.000 Euro niedriger aus.

Kontrolle im Leitstellenbeirat

„Die Kosten werden im Leitstellenbeirat auf fachlicher Ebene kritisch diskutiert und kontrolliert. Alles ist transparent und korrekt“, versichert der Dezernent. Besagter Leitstellenbeirat tagt inzwischen regelmäßig und, wie Jansen versichert, in guter Atmosphäre. Das war lange Zeit anders, die vielen Sitzungsausfälle und kurzfristigen Absagen der Stadt Aachen hatten die städteregionale Politik in der Vergangenheit nicht nur einmal auf die sprichwörtliche Palme gebracht.

Mehrere Faktoren sind nach Darstellung der Verwaltung für die deutliche Abweichung von der Schätzung im laufenden Jahr verantwortlich. Erhöhte Ausbildungskosten (68.000 Euro) und Besoldungserhöhungen (126.500) beispielsweise. Und der Einsatz einer Software zur strukturierten Notrufabfrage (58.500). Gut 105.000 Euro entfallen auf eine Erhöhung der Verwaltungskostenpauschale, die die Stadt Aachen geltend macht für die gestiegene Beteiligung anderer Ämter — zum Beispiel des Gebäudemanagements.

Weitere 124.700 Euro werden fällig, weil die Stadt zum 1. Januar 2018 von der Pauschalberechnung des Personals abgerückt ist und nunmehr die tatsächlichen Personalkosten ermittelt. Das hängt damit zusammen, dass die bis dato praktizierte Rotation („Multifunktionalität“) innerhalb der Leitstelle abgeschafft worden ist und die Mitarbeiter jetzt einem festen Bereich zugeordnet sind.

Schließlich müssen auch noch außerplanmäßige Kosten für einen Überspannungsschaden übernommen werden, falls die Versicherung nicht einspringt (67.000). In der Summe macht das Mehrkosten in Höhe von knapp 550.000 Euro. „Aber die sind alle berechtigt und nachvollziehbar“, stellt Gregor Jansen fest.

Angesichts derartiger Zahlen darf man gespannt sein, wie es im kommenden Jahr weitergehen wird. Bereits jetzt hat die Stadt Aachen angekündigt, dass die im Leitstellenrat beschlossene Schaffung von zwei weiteren Stellen sowie Beförderungen und Besoldungserhöhungen in der Summe mit rund 230.000 Euro zu Buche schlagen werden.

Eine Gesamtprognose für 2019 sowie ein Ausblick auf die folgenden vier Jahre sollte den Fraktionen eigentlich schon im Vorfeld der Ausschusssitzung vorgelegt werden. Das aber hat die Stadt nach Aussage von Gregor Jansen nicht geschafft. Nun werden die Verantwortlichen — der zuständige Dezernent Markus Kremer sowie Jürgen Wolff, Leiter der Aachener Feuerwehr — am Donnerstag persönlich Rede und Antwort stehen.

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