Leserbriefe zu Natur, Klima und Energie: Kostbares Wasser und wertvolles Land

Leserbriefe zu Natur, Klima und Energie : Kostbares Wasser und wertvolles Land

Ist der Hambacher Forst gerettet? Ist der Klimawandel Realität? Ist Wasserstoff die Technologie der Zukunft? Zum Thema Natur, Klima und Energie haben uns mehrere Leser Briefe geschrieben.

Michael Zobel, Naturführer und Waldpädagoge aus Aachen, beschäftigt sich mit dem Bericht „Ein bisschen Frieden für den Wald“ über den Hambacher Forst:

Da überrascht uns der Autor Marlon Gego in seinem Artikel mit überraschenden Erkenntnissen: „Der Hambacher Wald ist gerettet ...“ und „es ist ziemlich ruhig geworden ...“ rund um den Hambacher Forst ... Mit Verlaub, beide Behauptungen stimmen nicht. Glücklicherweise ist die Berichterstattung in den Kölner Zeitungen, der überregionalen Presse und im WDR deutlich engagierter ... Der Hambacher Wald ist alles andere als gerettet. Durch Gerichtsbeschluss sind alle Rodungen gestoppt, aber das Motto scheint nun zu sein „Zerstören ohne zu roden“. Ruhiger geworden? Hier eine unvollständige Liste von besonderen Ereignissen rund um den Hambacher Wald und die Braunkohle aus den letzten Wochen

1. Juni: Pfingstmontag, das erste große Symphoniekonzert in Keyenberg – zeitgleich im Wald, ebenfalls Beethoven, Streicher-Sextett mit Teilen der 6. Symphonie im Baumhausdorf Lluna.

2. Juni: Wachszins/Wachsdank am Pfingstdienstag, Wiederbelebung einer 630 Jahre alten Tradition, Radtour mit mehr als 60 Menschen.

14. Juni: der 74. monatliche Waldspaziergang im Hambacher Wald, erneut mit mehr als 150 Menschen.

16. Juni: Pressekonferenz zum Strukturwandel, Vertreter der Zivilgesellschaft haben ein alternatives Konzept zum RWE-Entwurf Tagebauplanung Hambach vorgestellt – zeitgleich Recherchen zu den aberwitzigen Plänen zum Kies­abbau rund um den Hambacher Wald, gegen alle Beteuerungen soll der Wald doch zur Insel werden.

26. Juni: spektakuläre Baggerbesetzung in Garzweiler, 80 mutige Menschen bringen den kompletten Tagebau zum Stillstand.

5. Juli: 11.30 Uhr, 75 Monate Sonntagsspaziergänge, Dorfspaziergang in Lützerath und Keyenberg am Tagebau Garzweiler, Solidarität mit fünf Dörfern.

Zu all dem gab es in den Aachener Zeitungen so gut wie keine Berichterstattung. Es ist ruhig geworden?

Dr. Rüdiger Haude aus Aachen merkt ebenfalls zum Beitrag „Ein bisschen Frieden für den Wald“ an:

Der Stadtrat von Merzenich fordert in einer Resolution, dass „die Rechtsstaatlichkeit im Bereich Morschenich wiederhergestellt wird“. So weit, so gut. Dass dies „mit anderen Worten“, wie Sie schreiben, bedeutet: „Die Kriminellen unter den Waldbesetzern müssen weg“ – das ist nicht nur eine menschenverachtende Sprache, das ist auch ein krasser Kurzschluss. Die Menschen in der Region erinnern sich doch noch gut genug daran, wer vor zwei Jahren die Rechtsstaatlichkeit mit Füßen getreten hat: die NRW-Landesregierung, allen voran der Innenminister Herbert Reul. Seine Entlassung bliebe die wichtigste Maßnahme zur Wiederherstellung von Rechtsstaatlichkeit.

Und es wird ja kein Zufall sein, dass die jetzige polizeiliche Machtdemonstration wenige Tage vor der RWE-Hauptversammlung stattfand: ein kleiner Gruß der Schoßhunde in Düsseldorf an ihre Herrchen in Essen, so wie die Geste, mit der Reuls Ministerium 2018 ohne jede Rechtsgrundlage GPS-Daten von Baumhäusern an RWE geliefert hat.

Aber zurück zum Stadtrat von Merzenich: Es ehrt die Kommunalpolitiker, dass sie über die Zukunft Morschenichs nach der Braunkohle debattieren – eine Zukunft, die es übrigens ohne Waldbesetzung nicht gäbe. „Technologien der Zukunft“ sind als Schwerpunkt ja auch nicht schlecht, selbst wenn diese nun an vielen Orten im Revier gepusht werden. Aber was spricht denn dagegen, an diesem geschichtsträchtigen Ort auch so etwas wie ein Politik-Labor zu schaffen, wo über die Austragung und Lösung von Konflikten gestritten und gelernt werden kann?

Und was wäre dann so schlimm daran, im Wald ein „Experimentierfeld für Anarchisten aus ganz Europa“ zu haben? Und „Ein bisschen Frieden für den Wald“ würde durch ein solches Experimentierfeld eher gefördert als durch die von Ihnen insinuierte Kriminalisierung der im Wald Wohnenden.

Martina Gereck aus Aachen reagiert auf den Leserbrief von Egbert Reinartz aus Jülich unter dem Titel „Über Würmer und bohrende Fragen“ zum Thema Klimaschutz:

Der Leserbrief von Ihnen, Herr Reinartz, hat mich einigermaßen sprachlos gemacht, genauso wie die Tatsache, dass er überhaupt gedruckt wurde. In Zeiten von Klimanotstand in vielen Städten, von Dürren in vielen Ländern (übrigens auch in Deutschland), Luftverschmutzung, Baumsterben, Stürme, Überschwemmungen etc. jemandem den Raum zu geben, die Klimakrise zu leugnen, ist schon ein starkes Stück. Die Meinung von Ihnen, Herr Reinartz, kann ich mir nur so erklären, dass Sie genau wie ich durch einen glücklichen Zufall in dieser Region (Europa/Deutschland) geboren wurden. Auto fahren – kein Problem. Das Erdöl fällt ja ganz umweltschonend und ohne Ausbeutung von Menschen vom Himmel. Dürre – kein Problem. Sie drehen den Wasserhahn auf und schon läuft das kostbare Nass. Sogar unsere Fäkalien werden mit Trinkwasser weggespült. Was stört Sie da, dass ganze Länder vor dem Vertrocknen stehen? Und übrigens, ein Blick nach Ostdeutschland sollte auch Ihnen zu denken geben. Es hilft den Landwirten und Förstern dort sicher sehr zu hören, dass alles nicht so schlimm ist und die Erde sich schon wieder erholt. Oder erzählen Sie Menschen in Indien, Südafrika etc., dass Steinzeit für Sie bedeutet, keinen Urlaub mehr machen zu können und aufs Autofahren verzichten zu müssen. Und nur zu Ihrer Information: Arbeitsplätze gibt es auch in umweltfreundlichen Wirtschaftszweigen. Ich weiß wirklich nicht, wie jemand sein muss, der die von Menschen gemachte Klimakrise leugnet, aber es schockiert mich zutiefst.

Aggi Dornseiffer aus Aachen merkt zum Artikel „2020 wird zum dritten Dürrejahr in Folge“ an:

Der Bedarf an Wasser wird steigen, und wenn immer weniger Wasser zur Verfügung steht beziehungsweise die Verteilung des Wassers zu unregelmäßig wird (Starkregen- und Dürrezeiten), muss man anfangen, sich über den Umgang mit dem kostbaren Lebensmittel Gedanken zu machen. Warum etwa ist es mittlerweile verpflichtend, eine angemessene Zahl Stellplätze bei Neubauten nachzuweisen, nicht aber den Bau einer Zisterne? Bei einem Neubau ist das weder technisch noch kostenmäßig ein echtes Problem. Wassermangel ist auf jeden Fall teurer in den Folgen.

Jost Krämer aus Alsdorf äußert sich zum Service-Text „Ein schöner Garten ohne Aufwand“:

Unseren großen Garten haben wir zur Hälfte ein wenig „verwildern“ lassen. Das heißt, dass wir nur noch regulierend eingreifen, damit invasive Pflanzen nicht die Oberhand gewinnen, aber ansonsten lassen wir diesen Teil in Ruhe. Die Folge ist eine mittlerweile erstaunliche Tier-, Insekten- und Pflanzenwelt. Ein kleines Paradies mitten in der Stadt. Bedauerlich ist, dass derartige Biotope nicht immer auf Gegenliebe in der Nachbarschaft stoßen.

Manfred Rauschen aus Düren antwortet auf den Leserbrief von Walter Schroiff aus Raeren unter der Überschrift „Über Würmer und bohrende Fragen“, der sich für die Weiterentwicklung der Wasserstofftechnologie einsetzte:

Sehr geehrter Herr Walter Schroiff, Sie sagen richtig, der hohe Stand der Wasserstofftechnik sei beachtlich. Trotzdem ist mir keine größere Anlage zur Erzeugung von elektrolytisch hergestelltem Wasserstoff bekannt. Versuchs- und Testanlagen gibt es genug, doch die laufen nicht im Dauerbetrieb und haben keine Leistung im Gigawatt-Bereich. Die Knallgasvorführung im Physikunterricht in der Schule ist kein Vergleich. Pro Vorführung wurde stets nur ein halbes Reagenzglas Knallgas erzeugt, weil der anfallende Sauerstoff die Platinelektroden der Apparatur oxydierte und der Lehrer Angst um seine Elektroden hatte.

Das Korrosionsproblem und die geringe Zellspannung von etwa zwei Volt Gleichspannung sind das technische Problem solcher Anlagen.

Das nächste unlösbare Problem ist das fehlende Platin für die Elektrolysezellen. Deshalb wird der Wasserstoff heute noch aus fossilen Energieträgern hergestellt. Bei der Herstellung von Wasserstoff wird mehr Energie verbraucht, als man nachher wieder aus dem gasförmigen Wasserstoff gewinnen kann. Von daher ist die Wasserstofftechnik eine schöne Idee, die die Forschung auch weiter verfolgen muss, aber alltäglich wird sie vielleicht in 50 Jahren.

Was aber machen wir jetzt, um unseren wachsenden Energiebedarf zu decken? Wind und Sonne kann man nur nutzen, wenn man das Speicherproblem für den unstet erzeugten Strom löst. Da zeichnet sich aber überhaupt keine Lösung ab. Pumpspeicherwerke wären zwar eine denkbare Lösung, aber das ist wegen der Geografie in Deutschland nicht machbar. Wohin wollte man die 1000 benötigten Pumpspeicherwerke stellen?

Es gibt eben keine einfachen Lösungen für unsere Energieversorgung. Auch eine noch so gut gemeinte Demonstration ändert die Physik nicht. Erträumen kann man viel, aber real wird es trotzdem nicht.