Heinsberg: Konzept für den Einzelhandel: Nahversorgung ist entscheidend

Heinsberg: Konzept für den Einzelhandel: Nahversorgung ist entscheidend

Über zwei Millionen Menschen weniger würden bis zum Jahr 2050 das Land Nordrhein-Westfalen bevölkern. „Und wer dann als Stadt nicht attraktiv ist, leidet unter diesem Trend stärker als andere Kommunen”, ist Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder sicher.

Damit die Kreisstadt auch vor dem Hintergrund dieser demographischen Entwicklung gut gerüstet ist, soll jetzt durch die Kölner Unternehmensberatung BBE Retail Experts ein Einzelhandelsstandort- und Zentrenkonzept erarbeitet werden.

„Das Konzept, so wie es hier geplant werden soll, hat es in Heinsberg noch nicht gegeben”, geht Dieder in neuen Zeiten neue Wege. Zunächst solle eine Bestandsaufnahme erfolgen, die den gegenwärtigen Zustand der Einzelhandelssituation in der Stadt Heinsberg aufzeige. Darauf basierend ist das Ziel der Analyse, grundsätzliche Empfehlungen zur weiteren Einzelhandelsentwicklung auszusprechen.

Zudem sollen spezifische Branchenprofile für die zentralen Versorgungsbereiche der Innenstadt sowie der Nebenzentren entwickelt und die Zentren räumlich definiert werden. In diesem Zusammenhang werde die Unternehmensberatung geeignete Entwicklungsstandorte auch für den so genannten „großflächigen Einzelhandel” und ergänzende Nahversorgungsangebote in den übrigen Stadtteilen vorschlagen.

„Heinsberg soll attraktiv bleiben als Mittelzentrum in der Region und muss sich daher weiterentwickeln. Wer dies will, muss an der Infrastruktur arbeiten”, erklärt Dieder unmissverständlich. Dazu gehöre auch eine zeitgemäße Nahversorgung mit einem Angebot für alle Bürger, bei den Kindern angefangen bis zu den Senioren, „die noch möglichst ortsnahe Einkaufsgelegenheiten haben sollen”. Dabei gelte der Grundsatz: „Das Geld, das in Heinsberg erwirtschaftet wird, soll auch in Heinsberg bleiben.”

Es werde erforderlich sein, so der Bürgermeister, die zentralen Versorgungsbereiche im Stadtgebiet abzugrenzen und dabei auch diejenigen Entwicklungsareale mit Anbindung an die Hauptgeschäftslagen zu definieren, die unter städtebaulichen Gesichtspunkten für die Aufnahme weiterer „zentrenrelevanter Einzelhandelsbetriebe” geeignet seien. Gleichzeitig sei durch die Experten von BBE zu begründen, in welchen Teilbereichen des Stadtgebietes auf die Ansiedlung solcher Betriebe verzichtet werden sollte.

Heinsberg soll gleichsam für Gewerbetreibende sowie die Bürgerinnen und Bürger attraktiv sein, und zwar für die, die bereits hier sind ebenso wie für die, die sich ansiedeln wollen. Gewerbliche Ansiedlungen müssten dabei für vorhandene Betriebe „verträglich” sein. „Ich möchte fördern und niemanden in seiner Entwicklung behindern. Sortimente müssen sich ergänzen”, will der Verwaltungschef etwaige Sorgen des Heinsberger Einzelhandels vor Konkurrenz zerstreuen.

Über eines dürfe sich jedoch jeder im Klaren sein: „Wenn eine Familie oder eine Firma heute oder in Zukunft zu uns aufs Land kommen sollen, spielen für die Standortwahl nicht nur gute Verkehrswege, ein funktionierendes Kindergarten- und Schulwesen sowie ein gutes Freizeitangebot mit aktiven Vereinen eine entscheidende Rolle. Genauso wichtig ist auch eine funktionierende Nahversorgung.”

Im Rahmen der Vollversammlung des Gewerbe- und Verkehrsvereins Heinsberg am Dienstag, 27. April, 20 Uhr, in der Stadthalle an der Apfelstraße, werden Bürgermeister Wolfgang Dieder und die beauftragte Unternehmensberatung BBE über das beabsichtigte Einzelhandelsstandort- und Zentrenkonzept informieren.

Die Veranstaltung ist öffentlich. Alle interessierten Firmen, Gewerbetreibende, Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen.

An Einzelhandelsbetriebe im Stadtgebiet sollen Erfassungsbögen für eine Kundenwohnorterhebung verteilt werden, die in der ersten Maihälfte in den Geschäften ausgelegt werden können.

Durch die Unternehmensberatung BBE sollen ab dem 3. Mai Betriebsstätten- und Kundenwohnorterhebungen sowie Telefonbefragungen durchgeführt werden.

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