Kommentiert: Ohne den Postkarten-Zwang ist der Urlaub entspannter

Kommentiert: Ohne den Postkarten-Zwang ist der Urlaub entspannter

Postkarten für Familienmitglieder und enge Freunde zu schreiben, gehört zum guten Ton. Es ist eine Tradition, die man bloß nicht aussterben lassen darf — oder doch?

Der Druck, im Urlaub eine möglichst schöne Postkarte und einen Briefkasten zu finden, kann regelrecht stressig werden, wenn man sich außerhalb der touristischen Hotspots aufhält. Man will zeigen, dass man auch im Urlaub an die Daheimgebliebenen denkt.

Dafür scheint kein Umweg zu weit. Man verplempert einen ganzen Tag des ohnehin viel zu kurzen Urlaubs auf dem nepalesischen Postamt und gibt sein Urlaubsgeld für Briefmarken aus. Auf den Karten sehen Stadt und Landschaft viel schöner aus, als man es mit den eigenen Augen wahrgenommen hat.

Schließlich drückt man sich noch ein paar Sätze aus der Feder, die schöner klingen sollen als die üblichen Floskeln „Wetter ist super“, „Essen ist toll“ und „Wünschte, du wärst hier“. Reicht nicht auch ein Foto per Whatsapp, mit einer persönlichen Nachricht wie „Ich habe einen tollen Laden entdeckt und musste direkt an dich denken“? Die Fotos zeigen im Gegensatz zu den Postkarten, wie es wirklich vor Ort aussieht. Ist das nicht persönlicher als eine Karte, die erst beim Empfänger ankommt, wenn man selbst schon längst wieder in den Alltagstrott verfallen ist?

Zwar freut man sich selbst auch über eine Karte im Briefkasten. Aber ehrlich gesagt wird die 25. Karte aus Mallorca keinen Ehrenplatz finden, sondern eher nach dem Lesen in irgendeiner Schublade landen.

(at)