Staedteregion: Kommentiert: Es muss öfter Klartext geredet werden

Staedteregion: Kommentiert: Es muss öfter Klartext geredet werden

Die UN-Behindertenrechtskonvention gilt als Meilenstein bei den Bemühungen um eine gesellschaftliche und damit auch berufliche Integration von Menschen mit Behinderung. Doch auch mehr als neun Jahre nach deren Inkrafttreten ist festzustellen, dass sich zwischen Theorie und Praxis weiterhin tiefe Gräben auftun.

Natürlich muss die Übergangsquote von weniger als einem Prozent der Beschäftigten im konkreten Beispiel der CBW relativiert werden. Weil eine sehr deutliche Mehrheit der aktuell 1230 Männer und Frauen mit einer psychischen oder geistigen Behinderung, die in den Werkstätten der Gesellschaft arbeiten, den rauen Bedingungen auf dem freien Arbeitsmarkt nicht gewachsen wären.

Deshalb ist es gut, dass das Sozialgesetzbuch den Staat verpflichtet, diese Menschen in seine Obhut zu nehmen bzw. andere damit zu beauftragen und ihnen einen Werkstattplatz zu garantieren.

Grundsätzliches Ziel war und ist es gleichwohl, Menschen mit Handicap in einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz oder sogar in ein reguläres, sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln. Dass dies unverändert oft scheitert, weil Unternehmen sich der Integration verschließen und nicht bereit sind, Menschen mit Behinderung aufzunehmen, ist skandalös und beschämend.

Vielleicht müssen wir alle häufiger, lauter und deutlicher über die eigentlich selbstverständlichen guten Erfahrungen sprechen, die wir in unserem Privat- und Berufsleben gemacht haben. Damit der gesellschaftliche Druck derart steigen wird, dass berufliche Integration in Zukunft nicht mehr an den Bedenken und der Weigerung von Entscheidungsträgern in Unternehmen scheitern wird.