Kommentar zur Uefa und der Regenbogen-Binde von Neuer

Kommentar zur Uefa : Bloß nicht den Autokraten verschrecken

Die Uefa kriegt es offenbar einfach nicht auf die Reihe. Die Ermittlungen gegen den DFB wegen der Regenbogen-Kapitänsbinde von Manuel Neuer wurden zwar eingestellt, doch allein das Verfahren zeigt, wo die Prioritäten des Europäischen Fußballverbands liegen.

Nach dem 4:2-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal am Samstag verbreitete sich die Nachricht, gegen den Deutschen Fußball-Bund würde wegen Neuers Kapitänsbinde ermittelt. Die Binde steht nach Angaben des DFB als Zeichen und „klares Bekenntnis der gesamten Mannschaft für Diversität, Offenheit, Toleranz und gegen Hass und Ausgrenzung“.

Ermittelt wurde, weil Neuer nicht die von der Uefa vorgegebene Kapitänsbinde getragen hatte. So ist es in den Statuten geregelt. Komplett albern, bei dieser Binde nicht den höheren Zweck zu erkennen, wegen der die Ermittlungen auch relativ schnell wieder eingestellt wurden. Ein absolut vermeidbares PR-Fiasko in einem durchbürokratisierten Verband.

„Die Uefa kann für bestimmte Wettbewerbsspiele Kapitänsbinden zur Unterstützung von Uefa-Kampagnen bereitstellen“, heißt es im Regelwerk des Verbandes weiter. Dass ausgerechnet im Juni, der von der LGBTQ-Community (lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer) als „Pride-Month“ gefeiert wird, keine solche Kampagne von der Uefa aufgezogen wurde, ist schade aber immer noch nicht das eigentliche Problem.

Dass ausgerechnet der ungarische Autokrat Viktor Orban, der vergangene Woche ein Anti-LGBTQ-Gesetz verabschiedet hat, der Uefa die so sehnlich vermissten Bilder von vollen Stadien liefert und ein entscheidender Partner dieser EM ist, schlägt dem Fass den Boden aus.

Als Uefa möchte man Orban eben nicht vor den Kopf stoßen. Immerhin wird die Puskas-Arena ja noch gebraucht, wenn man London das Finale wegnimmt, weil die Quarantäne-Regeln für 2500-VIP-Gäste nicht gelockert werden.

Bereits am Mittwoch beim Spiel Deutschland gegen Ungarn wird sich zeigen, wie die Uefa auch in Zukunft mit der Thematik verfahren möchte. Die Allianz Arena soll dann aus Protest in Regenbogenfarben leuchten. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) richtete bereits einen Appell an den Verband. Man soll „sich (...) nachdrücklich und sichtbar für Toleranz und Gleichstellung einzusetzen“.